US-Methodisten stecken die Heilige Familie in Käfige

Mit einer ungewöhnlichen Weihnachtskrippe prangert die Claremont-Methodistenkirche unweit von Los Angeles die US-Einwanderungspolitik an. Sie stellt lebensgrosse Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind in Gitterkäfigen aus.


Zu Zeiten, in denen Flüchtlingsfamilien an den Grenzen voneinander getrennt würden, denke die Kirche an die bekannteste Flüchtlingsfamilie, die es je gegeben hat, erläuterte Pastorin Karen Clark Ristine die ungewöhnliche Aktion auf Facebook. Die methodistische Gemeinde Claremont im Bundesstaat Kalifornien hat lebensgrosse Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind in drei Käfigen ausserhalb der Kirche aufgestellt – als Protest gegen die US-Einwanderungspolitik von Donald Trump.

Die Käfige ähneln jenen, in denen die US-Grenzsicherheitsbehörde ICE viele Migranten ohne Papiere vorübergehend eingesperrt hat, darunter auch Kinder. Tausende Mädchen und Jungen sind seit Mitte 2017 zeitweilig von ihren Eltern getrennt worden. Die Regierung hat keine genauen Zahlen vorgelegt. Laut Rechtshilfeverband ACLU wurden mehr als 5000 Minderjährige vorübergehend von ihren Eltern getrennt.

Nach biblischer Überlieferung mussten Josef und Maria bald nach der Geburt in Bethlehem ihr Kind Jesus vor den Mordplänen des Königs Herodes schützen und flohen nach Ägypten. Pastorin Ristine stellt die Frage, was passiert wäre, «wenn diese Familie heute bei uns Zuflucht gesucht hätte», ob das Jesuskind an der Grenze auch seinen Eltern weggenommen worden wäre. Das Jesuskind in Claremont ist in eine silberne Rettungsdecke eingewickelt. Der US-Grenzschutz händigt solche Decken Festgenommenen aus.

In der Kirche der Claremont-Gemeinde selbst begegnen Besucher der wiedervereinigten Heiligen Familie. In sozialen Medien habe Tausende die Krippeninstallation kommentiert. Viele Bemerkungen fallen positiv aus. Manche kritisieren jedoch eine Politisierung des Evangeliums. Die Methodistenkirche ist die drittgrösste Kirche in den USA. (epd/no)