Corona-Pandemie

UN-Programm liefert ersten Impfstoff nach Afrika

Erstmals hat ein Entwicklungsland Corona-Impfstoffe aus einem internationalen Hilfsprogramm erhalten: 600’000 Impfdosen kamen im westafrikanischen Ghana an. Es soll die grösste Impfkampagne in der Geschichte werden.

Das Impfstoff-Programm der Vereinten Nationen (Covax) hat erstmals Corona-Impfstoff in ein Entwicklungsland geliefert. Im westafrikanischen Ghana trafen am Mittwoch 600'000 Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffs ein, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk Unicef in der Hauptstadt Accra mitteilten. Die Impfungen in Ghana sollen am 2. März beginnen. Die Lieferung wurde weltweit begrüsst. Nach Covax-Plänen soll die nächste Impfstoff-Sendung an diesem Freitag in die Elfenbeinküste gehen.

WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus bekräftigte das Ziel, Gerechtigkeit bei der Verteilung von Impfstoffen zu erreichen. Er kritisierte, dass Industrieländer sich den Grossteil der Impfstoffproduktion gesichert haben. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte, nur eine weltweite Impfkampagne sei der Weg aus der Krise.

Der Impfstoff für Ghana wurde in Lizenz in Indien vom Serum Institute in Mumbai hergestellt. Insgesamt will Covax in diesem Jahr rund zwei Milliarden Impfdosen gegen Covid-19 ausliefern, die meisten davon sind für Entwicklungsländer bestimmt. Zur Finanzierung ist Covax auf Zuwendungen der internationalen Gemeinschaft angewiesen.

Länder müssen über Impfstrategie verfügen

Die Impfallianz Gavi, die Teil von Covax ist, erklärte, bei der Auswahl der ersten Empfängerländer spielten mehrere Faktoren eine Rolle: So müssten Regierungen über eine Impfstrategie verfügen, die Zulassung der Impfstoffe müsse bestätigt sein, und logistische Faktoren wie Ein- und Ausfuhrlizenzen müssten geklärt sein. Unicef und die WHO sprachen am Mittwoch von der grössten Impfkampagne in der Geschichte, die nun angelaufen sei.

Das ghanaische Informationsministerium teilte mit, zuerst würden Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Personen über 60 Jahren oder mit Vorerkrankungen geimpft. Ghana hat rund 30 Millionen Einwohner und bestätigte bisher gut 81'000 Corona-Infektionen und 584 Todesfälle. Die Dunkelziffer könnte aber hoch sein.

Auf dem afrikanischen Kontinent wurden laut WHO bisher etwa 3,9 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 70'000 Tote gemeldet. Südafrika hat allein 1,5 Millionen Fälle und 49'000 Tote registriert. Die Regierung in Pretoria hat selbst Impfstoff aus Indien beschafft und in der vergangenen Woche mit Impfungen begonnen. (edp/bat)