Theologen warnen in Videokampagne vor SVP-Initiative

Ehemalige «Wort zum Sonntag»-Sprecherinnen appellieren in einer Videobotschaft an das Schweizer Stimmvolk: Eine Annahme der Selbstbestimmungsinitiative am 25. November gefährde Demokratie und Menschenrechte.

Vereint im Kampf gegen die Selbstbestimmungsinitiative: Die Theologinnen Meinrad Furrer, Rita Famos, Martin Kuse und Katja Wissmiller (v.l). (Bild: Allianz der Zivilgesellschaft)

Die von der «Allianz der Zivilgesellschaft» produzierten Video-Clips sind seit Mittwoch online. Darin nehmen vier ehemalige «Wort zum Sonntag»-Sprecher Stellung zur SVP-Selbstbestimmungsinitiative. Durch eine Annahme am 25. November würden Grund- und Menschenrechte leichtfertig aufs Spiel gesetzt, so der Tenor.

In den Clips liefern die vier Theologinnen jeweils ein zweiminütiges Statement ab. Auf reformierter Seite sprechen Martin Kuse, Pfarrer im Aargauischen Möriken, und die Zürcher Pfarrerin Rita Famos. Auf katholischer Seite sind es die Theologin Katja Wissmiller und der Theologe Meinrad Furrer. Sie alle sind als ehemalige Gesichter des «Wort zum Sonntag» bekannt.

Die Geistlichen sind sich einig: Die Selbstbestimmungsinitiative ist eine Bedrohung für die Menschenrechte und den Schutz des Einzelnen. Dieser brauche eine übergeordnete Instanz, die seine Grundrechte verteidige. Durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte würden diese Grundrechte gewahrt. «Das Recht des Stärkeren hat eine Grenze: die Grenze sind die Menschenrechte. Und diese gelten für alle», betont Rita Famos.

Auch Martin Kuse verteidigt in seiner Botschaft die Bedeutung der europäischen Menschenrechtskonvention. Diese sei eine der grössten Errungenschaften der Menschheit. «So etwas setzt man nicht aufs Spiel, nur weil der Gerichtshof mal ein Urteil spricht, das einem nicht in den Kram passt», sagt er.

Engagement für Menschen am Rand der Gesellschaft

Angeregt worden ist die Aktion von der «Allianz der Zivilgesellschaft», einem Zusammenschluss von Organisationen und Einzelpersonen, die sich für die Menschenrechte engagieren. Katja Wissmiller, die mit der Moderation der Clips beauftragt wurde, stellte daraufhin ein Team von Sprecherinnen zusammen.

Dass am Ende vier ehemalige «Wort zum Sonntag»-Sprecher zusammenkamen, sei aber Zufall, sagt Wissmiller gegenüber ref.ch. «Wichtiger war uns, dass diese Personen eine christliche Haltung vertreten und sich auch politisch für Menschen am Rand der Gesellschaft einsetzen.»

Die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative der SVP will das Schweizer Verfassungsrecht über das Völkerrecht stellen. Völkerrechtliche Verträge könnten entsprechend angepasst oder gar gekündigt werden. Bundesrat und Parlament lehnen die Vorlage ab. (no)

Zu den Videoclips der «Allianz der Zivilgesellschaft»