Taliban lassen 27 Menschen auspeitschen
Gut ein Jahr nach der Machtergreifung der Taliban häufen sich die Meldungen über drakonische Strafmassnahmen des Regimes. 18 Männer und 9 Frauen seien gemäss einem Gerichtsurteil in der Provinzhauptstadt Tscharikar im Zentrum des Landes mit Peitschenschlägen bestraft worden, berichtete der lokale Fernsehsender Tolonews unter Berufung auf das Oberste Gericht des Landes. Den Angeklagten wurden demnach unter anderem Diebstahl, Drogenkonsum oder aussereheliche Beziehungen vorgeworfen.
Erst im November hatten die Taliban, die seit Sommer 2021 in Afghanistan wieder an der Macht sind, 14 Menschen im Osten des Landes öffentlich auspeitschen lassen. Die USA hatten das als «entsetzliches» Zeichen dafür gewertet, dass die Taliban der Welt zeigten, dass sie die Politik der Vergangenheit wieder aufnähmen. Während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 wurden Auspeitschungen, Amputationen oder Steinigungen in der Öffentlichkeit vollzogen. Am Mittwoch wurde erstmals seit ihrer neuerlichen Machtübernahme von den Islamisten bestätigt, dass ein Mann öffentlich hingerichtet wurde.
Die Taliban verteidigten die Wiedereinführung dieser drakonischen Strafen in Afghanistan. Kritik an der Scharia, dem islamischen Recht, sei eine «Beleidigung des Islams». Die Taliban warnten vor einer Einmischung in innere Angelegenheiten.
Während des Taliban-Regimes von 1996 bis 2001 hatten die Islamisten gemäss ihrer harschen Auslegung des islamischen Rechts mit grosser Brutalität regiert. Der zuletzt gehäufte öffentliche Vollzug derartiger Strafen nährt die Befürchtung, dass die Taliban zu ihrer alten Politik zurückkehren. (sda/dpa/no)