Studie: Internetnutzung als Ersatzreligion
Wer das Internet regelmässig nutzt, kann ähnliche Effekte spüren wie bei religiösen Handlungen. Das hat eine repräsentative Umfrage der Universität Zürich (UZH) ergeben. Wie traditionelle Religionen erfülle die alltägliche Nutzung digitaler Dienste Funktionen wie die Reduktion von Komplexität, Sinnstiftung oder sozialen Zusammenhalt, heisst es im Bericht.
Rund ein Drittel der Bevölkerung glaubt laut der Umfrage, dass vorgeschlagene Inhalte in sozialen Netzwerken von einer unerklärbaren, höheren Instanz gesteuert werden. Rund ein Viertel beginnt und beendet den Tag mit Internetnutzung, wie der Bericht zeigt. Ein Teil der Befragten berichtete von transzendenten Erfahrungen, mit denen die Grenzen des Alltäglichen überschritten werden.
Bei den Jüngeren sind laut Bericht die Hinweise auf eine digitale Ersatzreligion stärker ausgeprägt. Vier von zehn Jugendichen gaben an, die regelmässige Internetnutzung helfe ihnen, über ihre unmittelbaren Lebensumstände hinauszuwachsen. Über ein Drittel verschafft die Nutzung ihrer bevorzugten digitalen Dienste geistigen Frieden.
Die Erkenntnisse sind Teil des World Internet Projects (WIP). Diese Langzeitstudie erfasst in 30 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internets. In der Schweiz werden die Befragungen seit 2011 jährlich durchgeführt. Im Schnitt verbringen Personen in der Schweiz heute rund 5,5 Stunden pro Tag online. 2021 waren es noch 4,5 Stunden. Private Treffen finden nur selten online statt. (sda/ dst)