Spanien

Sterbehilfe-Gesetz nimmt erste Hürde

Das spanische Abgeordnetenhaus hat mit grosser Mehrheit für ein Sterbehilfe-Gesetz gestimmt. Damit würde auch aktive Sterbehilfe erlaubt.

Das neue Sterbehilfe-Gesetz der linken Regierung erhielt am 17. Dezember im spanischen Abgeordnetenhaus 198 Stimmen, darunter auch von der oppositionellen Ciudadanos-Partei sowie von separatistischen Parteien Kataloniens. Mit Nein stimmten 138 Parlamentarier der konservativen Volkspartei PP und der rechtspopulistischen Vox-Partei.

Sollte auch die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, das Gesetz passieren lassen, könnte es Anfang Januar in Kraft treten. Spanien wäre dann neben den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kanada und Neuseeland das sechste Land weltweit mit einem Sterbehilfe-Gesetz, schrieb die Zeitung «El País».

In der Schweiz ist aktive Sterbehilfe untersagt. Die indirekte oder passive Sterbehilfe wird jedoch gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt und ist damit unter gewissen Voraussetzungen straflos.

Indirekte und aktive Sterbehilfe

Das spanische Gesetz erlaubt dagegen aktive Sterbehilfe durch Ärzte für volljährige Patienten, die unheilbar krank sind. Genannt werden indirekte Sterbehilfe als Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe in Form der beabsichtigten Herbeiführung des Todes.

In einem mehrstufigen Verfahren, an dem verschiedene Ärzte, Juristen und Kommissionen beteiligt sind, muss der Kranke insgesamt vier Mal den Willen kundtun, sein Leben zu beenden. Ist der Sterbewillige nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten, kann eine von ihm zuvor verfasste Erklärung, dass er im Falle einer unheilbaren Krankheit und unerträglichen Leidens Sterbehilfe bekommen möchte, berücksichtigt werden. Ärzten und Pflegern wird das Recht eingeräumt, aus Gewissensgründen nicht an Sterbehilfe teilzunehmen. (sda/dpa/mos)