St. Galler Reformierte passen Anlagestrategie an

Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen hat anders als budgetiert erneut einen Gewinn erwirtschaftet. Was mit dem Geld passieren soll, darüber wurde an der Synode kontrovers diskutiert.


Die Rechnung 2018 der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen schliesst besser ab als budgetiert. Bei einem Aufwand von 23,28 Millionen Franken resultierte statt eines prognostizierten Verlustes von rund 180’000 Franken ein Gewinn von 200’000 Franken. Grund dafür seien höhere Steuereinnahmen, wie es in einer Medienmitteilung vom 24. Juni heisst.

Was mit diesem Gewinn geschehen soll, darüber waren sich die Synodalen an ihrer Sommerversammlung uneinig. Der Kirchenrat schlug dem Kirchenparlament vor, den Überschuss als sogenannte Wertschwankungsreserve zu verwenden. Hintergrund des Vorschlages war, dass die Zinserträge bei Anlagen des Eigenkapitals in den letzten Jahren eingebrochen sind, sich also festverzinsliche Anlagen kaum mehr lohnen. Darum habe die Geschäftsprüfungskommission angeregt, die Anlagestrategie der Kantonalkirche zu überdenken und stärker in Aktien zu investieren.

Aktien mit Kirche vereinbar?

Davon waren allerdings zahlreiche Synodale nicht überzeugt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Unter anderem wurde bezweifelt, ob Anlagen in Aktien überhaupt mit der Kirchenordnung vereinbar seien. «Beachtet man die darin enthaltenen Grundsätze wie Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung, bleiben wohl kaum Aktien übrig, in die man investieren könnte», so ein Synodemitglied.

Weiter wollten einige Synodale wissen, ob es nicht sinnvoller wäre, statt in Aktien etwa in sozialen Wohnungsbau oder in Projekte zugunsten von Kindern und Jugendlichen zu investieren. Schliesslich stimmte die Synode der Verwendung des Überschusses als Wertschwankungsreserve zwar zu. Allerdings möchte das Parlament dem Kirchenrat bei der Form der Anlagegeschäfte stärker auf die Finger schauen. Es beauftrage den Kirchenrat, ein Anlagereglement vorzulegen.

Neben der Rechnung verabschiedete die Synode auch Andreas Schwendener, den langjährigen Redaktor des Kirchenboten. Er tritt in den Ruhestand. (bat)