Kanton St. Gallen will kleine Religionsgemeinschaften anerkennen

Im Kanton St. Gallen sollen in Zukunft auch kleine Religionsgemeinschaften eine kantonale Anerkennung erhalten können. Der Kanton reagiert damit auf die veränderte religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung.

Der Kanton St. Gallen schickt einen Gesetzesentwurf zur Anerkennung kleinerer Religionsgemeinschaften in die Vernehmlassung.
Der Kanton St. Gallen schickt einen Gesetzesentwurf zur Anerkennung kleinerer Religionsgemeinschaften in die Vernehmlassung. (Bild: Wikipedia)

Im Kanton St. Gallen sind vier Religionsgemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkannt: Dazu gehören die Katholische Kirche, die Evangelisch-reformierte Kirche, die Christkatholische Kirche sowie die Jüdische Gemeinde. Die Regierung schickt nun einen Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung, wonach auch kleinere Religionsgemeinschaften die Chance auf eine kantonale Anerkennung erhalten. Das in Fachkreisen als «kleine Anerkennung» bezeichnete Instrument hat vor allem symbolischen Charakter und soll ein Zeichen der «Wertschätzung und Integration» sein, wie es in einer Mitteilung des Kantons heisst. Die neu anerkannten Gemeinschaften bleiben dabei weiterhin privatrechtlich organisiert.

«Massvolle» Erweiterung

Die Anpassung des bestehenden kirchenrechtlichen Systems wird mit der veränderten religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung begründet: «Migrationsbedingt ist etwa der Anteil der Muslime gestiegen. Aber auch unter den Christen ist die Vielfalt an Kirchen und Gruppierungen grösser geworden». Damit stelle sich die Frage, inwieweit das bestehende System gegenüber den bisher nicht staatlich-anerkannten Religionen noch gerecht sei.

Der Kanton will dieses System deshalb «massvoll» erweitern. Die Erteilung der kantonalen Anerkennung soll dabei an mehrere Bedingungen geknüpft sein. So müsse die Religionsgemeinschaft die «hiesige Rechtsordnung und die verfassungsmässigen Rechte der Mitglieder achten.» Zudem wird eine Offenlegung von Herkunft und Verwendung der Finanzmittel vorgeschrieben. Ausgenommen von dem neuen Gesetz ist das Recht auf die Steuerhoheit und die Erteilung von Schulunterricht.

Kein Rechtsanspruch

Mit dem neuen Gesetz will der Kanton kleineren Religionsgemeinschaften einen Anreiz bieten, ihre Strukturen zu überprüfen und zu verbessern. Ein Rechtsanspruch auf eine kantonale Anerkennung besteht jedoch nicht, heisst es weiter. Der Kantonsrat soll zudem die Befugnis erhalten, eine gewährte Anerkennung auch wieder zu entziehen.