«Ehe für alle»

St. Galler Kirche will Homosexuelle trauen

Zur Abstimmung über die «Ehe für alle» gibt der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen keine Empfehlung heraus. Aber wenn die Bevölkerung die Vorlage annimmt, dann soll die Kirche auch die Trauung möglich machen.

Schon seit 1998 können sich homosexuelle Paare in der St. Galler Kirche segnen lassen. Wenn die Stimmbevölkerung am 26. September die «Ehe für alle» annimmt, sollen auch kirchliche Trauungen möglich sein, hält der St. Galler Kirchenrat in einem Positionspapier fest. So empfiehlt er wie die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), dass die Kirche die staatlichen Regelungen und Gesetzgebungen nachvollzieht.

Auf eine Abstimmungsempfehlung verzichtet der Kirchenrat jedoch. Denn die Positionen gingen innerhalb der reformierten Kirche auseinander – je nach Bibelverständnis. Zwar sei man sich einig, dass die Ehe aus evangelischer Sicht kein Sakrament sei und somit keinen Bekenntnischarakter habe. Somit sei eine Trauung eine Segensfeier. Doch die einen würden die traditionelle Sicht vom Bund zwischen Mann und Frau unterstreichen, die andern betonten, dass Gottes Liebe über allem stehe.

Dieses Ringen um aktuelle Fragen gehöre zur reformierten Kirche, betont der Kirchenrat. Dabei müssten verschiedene theologische und ethische Positionen Raum finden. Es entspreche dem Wesen der reformatorischen Kirchen, dass Einheit auch ohne Einheitlichkeit möglich sei. (mos)