Spitalseelsorge: Berner lancieren Pilotprojekt

Der erste Synodetag der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn stand im Zeichen zahlreicher kleinerer Geschäfte und Kreditanträge. Darunter waren eine Neuformulierung im Unservater sowie ein Pilotprojekt zur Spitalseelsorge.


Die Synodalen der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn demonstrierten am ersten Tag ihrer Wintersitzung Einigkeit: Sämtliche Geschäfte wurden mit deutlicher Mehrheit und nur vereinzelten Gegenstimmen respektive Enthaltungen angenommen.

So etwa der Antrag für ein Pilotprojekt im Bereich Spitalseelsorge, das auf die Betreuung von Menschen nichtchristlichen Glaubens abzielt. Hintergrund ist, dass in der Schweiz immer mehr Menschen mit anderer Glaubenstradition leben, die bei einem Spitalaufenthalt Anspruch auf Seelsorge haben. Damit sie von einem Angehörigen ihrer eigenen Religion betreut werden können, gibt es bereits heute sogenannte religiöse Begleitpersonen, denen auch gewisse Fortbildungsangebote offenstehen.

Ein Verhaltenskodex als Ziel

Das allein genüge jedoch nicht, schreibt der Berner Synodalrat in seinem Antrag. Ziel des dreijährigen Pilotprojektes sei der Aufbau eines Netzwerkes, dank dem alle Patienten bei Bedarf eine religiös passende Begleitung erhalten könnten, ohne dass die Standards der Spitalseelsorge unterlaufen würden. «Wir wollen auf Augenhöhe mit den religiösen Begleitpersonen einen Verhaltenskodex für die Spitalseelsorge schaffen», fasste Synodalrätin Claudia Hubacher zusammen.

Angesiedelt werden soll das Projekt im Inselspital, die Steuerung soll die Interkonfessionelle Konferenz (IKK) übernehmen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf je 20’000 Franken in den Jahren 2018 und 2019 sowie 25’000 Franken im Jahr 2020. Die Anteile der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, die gemäss IKK-Schlüssel jeweils rund drei Viertel dieser Beträge umfassen, sollen in die Budgets aufgenommen werden. Diesen Anträgen stimmten die Synodalen mit 167 zu 5 Stimmen bei einer Enthaltung zu.

Die Sache mit der Versuchung

Debattiert wurde am ersten Synodetag auch eine Abänderung im französischen Text des Unservater. Neu soll eine Bitte des wohl bekanntesten Gebets der Christenheit nicht mehr «ne nous soumets pas à la tentation» – «führe uns nicht in Versuchung» – heissen, sondern vielmehr «ne nous laisse pas entrer en tentation» – «lass uns nicht in Versuchung geraten».

Der Änderungsvorschlag ging ursprünglich von den französischen Katholiken aus und fand Anklang bei der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Nachdem bekannt geworden war, dass die SBK die neue Formulierung bereits zum ersten Advent 2017 einführen wollte, gerieten die Reformierten unter Zugzwang: Zum einen baten sie die Katholiken um einen Aufschub bis Ostern 2018. Zum anderen debattierten die Welschschweizer Kirchen an ihren Synoden die Änderung und stimmten ihr – mehr oder weniger zähneknirschend – zu. Es sei wichtig, dass man bei ökumenischen Feiern auch weiterhin gemeinsam das Unservater beten könne, so das Hauptargument. Dem folgten nun am 12. Dezember auch die Berner Synodalen.

Beiträge für Metalchurch und Sans Papiers

Daneben standen zwei Sachgeschäfte im Zusammenhang mit dem Nachwuchs fürs Pfarramt auf der Traktandenliste. Die Synodalen genehmigten das neue Reglement der Kirchlich-Theologischen Schule KTS und die neue Leistungsvereinbarung mit dem Campus Muristalden, wo die KTS angesiedelt ist. Auch stimmten sie einer leichten Anpassung des Stipendienreglements im Zusammenhang mit dem Intensivstudium Theologie mit Berufsziel Pfarramt (ITHAKA) zu. Neu sollen die Teilnehmer dieses Studiengangs auch im Vikariat mit Zuschüssen unterstützt werden können.

Weiter genehmigten die Synodalen einen jährlichen Beitrag von 50’000 Franken an den Verein Berner Beratungsstelle für Sans-Papiers sowie die Weiterführung des Kredits «Migrationskirchen und Integration» inklusive einer Erhöhung von 30’000 auf 40’000 Franken. Das Projekt «Metalchurch» wird zudem neu mit einem jährlichen Beitrag von 45’000 Franken unterstützt. (vbu)