Unruhen im Iran

Sicherheitskräfte gehen mit Gewalt gegen neue Proteste vor

Im Iran sind die Proteste gegen die Regierung wieder aufgeflammt. Dabei sollen mindestens 25 Personen verletzt worden sein.

In den kurdischen Gebieten des Irans ist es erneut zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Mindestens 25 Protestteilnehmer seien verletzt worden, teilte die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw mit.

Auslöser der Proteste war der Tod eines jungen Mannes, wie Einwohner berichteten. Bamschad Soleimanchani war erst vor wenigen Tagen aus der Haft entlassen worden, kam in ein Krankenhaus und starb. Bewohner der Region werfen der Justiz vor, dass der Mann in Haft misshandelt worden sei. Unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe nicht. Gleichzeitig brannten in den Kurdengebieten Banner, die Irans Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini zeigten. Am Wochenende jährt sich der Todestag des früheren Religionsführers.

Auf Videos der Menschenrechtsorganisation Hengaw waren Polizeiwagen, Rauch und Menschen zu sehen, die Protestslogans riefen. Es scheint die erste grössere Eskalation zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten seit Monaten zu sein. Augenzeugen bestätigten das neue Ausmass der Proteste in den Kurdenregionen. Nach der Protestwelle im Herbst, ausgelöst vom Tod der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini, war in den vergangenen Monaten zunehmend Alltag eingekehrt.

Amini wurde Mitte September von Sittenwächtern wegen angeblicher Verstösse gegen die islamischen Kleidungsregeln festgenommen und starb im Polizeigewahrsam. Landesweite Proteste folgten. Der Staat reagierte mit äusserster Härte und liess inzwischen sieben Protestteilnehmer hinrichten. In den Metropolen leisten viele Frauen zivilen Ungehorsam, etwa durch das Ignorieren der Kopftuchpflicht. (sda/ pef)