Nordamerika

Schwere Vorwürfe gegen führende US-Anglikaner

Die Anglikanische Kirche in Nordamerika sieht sich mit massiven Missbrauchs- und Machtmissbrauchsvorwürfen gegen zwei ihrer Spitzenvertreter konfrontiert. Der Erzbischof soll unter anderem versucht haben, eine Frau gegen ihren Willen zu küssen.

Gemäss einem exklusiven Bericht der «Washington Post» wird dem amtierenden Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Nordamerika Stephen Wood vorgeworfen, gegenüber einer ehemaligen Leiterin der Kinder- und Jugendarbeit Annäherungsversuche gemacht zu haben – die Zeitung schreibt, er habe versucht, die Frau zu küssen. Ausserdem soll er ihr Geld geschenkt haben, das aus Kassen der Kirche stammte.

Die Taten sollen im April 2024 stattgefunden haben und damit vor Woods Wahl zum Erzbischof. Dem 62-Jährigen werden zudem weitere Verfehlungen vorgeworfen wie Plagiat von Predigten, Einschüchterung von Mitarbeitenden und unangemessene Führungspraktiken. Es handelt sich um die ersten Anschuldigungen dieser Art gegen einen Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Nordamerika.

Parallel befindet sich ein anderer Exponent der Anglikanischen Kirche Nordamerikas, der Bischof Stewart E. Ruch III, in einem kirchlichen Disziplinarverfahren. Ihm wird vorgeworfen, Personen in Leitungsfunktionen der Kirche zugelassen zu haben, die wegen Gewalttätigkeiten oder sexuellen Übergriffen aktenkundig sind.

Die Kirche befindet sich damit in einer «Krise ohne Beispiel», wie ein früherer Kommunikationsdirektor der ACNA gegenüber der Zeitung erklärte – das Ansehen der Gemeinschaft sei in Gefahr.

Auf Seiten der Kirche ist noch unklar, wie die Vorwürfe formal weiterverfolgt werden, schreibt die «Washington Post». Im Fall von Erzbischof Wood steht derzeit ein sogenanntes «Presentment» im Raum – ein Verfahren im internen Disziplinarwesen jener Kirche –, das zur Einleitung eines offiziellen Prozesses führen könnte. (dst)

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