So viele Flüchtlinge wie seit dem Zweiten Weltkrieg
In der Schweiz werden die Flüchtlingsunterkünfte knapp. Seit Kriegsbeginn hat die Schweiz fast 70'000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Dazu kommt eine Entwicklung, die im Frühling bei Kriegsbeginn noch niemand voraussah. Seit August steigt die Zahl der Asylgesuche aus anderen Ländern steil an.
«Wegen Corona konnten viele Menschen in den letzten Jahren nicht reisen», begründete Christine Schraner Burgener, Staatssekretärin für Migration, diese Entwicklung am Donnerstag vor den Medien. Die Corona-Pandemie habe aber natürlich auch die Wirtschaft durchgeschüttelt. «Dort, wo die Menschen schon arm waren, wurden sie noch ärmer», sagte sie.
Hoher Weizenpreis als Fluchtgrund
Die steigenden Asylzahlen hängen indirekt mit dem Ukraine-Krieg zusammen, beziehungsweise mit den erschwerten Weizen-Exporten aus der Ukraine. Diese liessen vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten die Weizenpreise enorm steigen. «Das führt zu mehr Armut und somit zu mehr Migration», sagte Schraner Burgener. Eine solche Flüchtlingskrise habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. «Die Krisen überlappen sich.»
Schraner Burgener rechnet damit, dass die Schweiz in diesem Jahr über 100'000 Menschen aufnehmen wird. Die gestiegene Zahl der Asylsuchenden führt dazu, dass mittlerweile alle sechs Bundesasylzentren komplett voll sind.
Schulzimmer zu Schlafraum umfunktioniert
Im Bundesasylzentrum Zürich leben aktuell 500 Menschen, obwohl das Zentrum für maximal 360 Personen konzipiert ist. Schulzimmer und Fitnessraum wurden bereits zu Schlafräumen umfunktioniert. In den Schlafräumen stehen zusätzliche Betten.
«Das ist nicht optimal. Wir bedauern das», sagte David Keller, Leiter des Krisenstabes Asyl beim Bund. «Aber es ist besser, als wenn die Leute draussen schlafen müssten.» Der Bund hat stets 5000 Unterbringungsplätze zur Verfügung. Diese wurden bereits auf über 9000 aufgestockt. «Wir sind voll», bilanzierte Christine Schraner Burgener.
Auch Bunker werden genutzt
Damit dennoch Menschen aufgenommen werden können, leitet der Bund die Personen ab sofort rascher an die Kantone weiter. Zudem stockt das SEM das Personal auf, um die Gesuche rascher zu behandeln, und es eröffnet oder erweitert Unterkünfte.
«Leider müssen wir auch auf unterirdische Zivilschutzunterkünfte zurückgreifen», sagte Schraner Burgener. Das SEM achtet darauf, dass dort nur Menschen untergebracht werden, die nicht direkt aus einem Kriegsgebiet beziehungsweise aus einem Bunker in die Schweiz kamen. (sda/ jow)