Braucht es ein Zurück zur protestantischen Ethik, wurde schon nach den ersten Bankencrashs gefragt, muss der Meisterdenker Max Weber neu entdeckt werden? Der Nachhall des grossen deutschen Gelehrten, der vor 150 Jahren geboren wurde und mit seinem Werk die Wirtschafts-, Herrschafts- und Religionssoziologie massgeblich beeinflusste, reicht bis in die Gegenwart.
Weber kam am 21. April 1864 in Erfurt zur Welt. Aufgewachsen ist er in einem grossbürgerlichen kulturprotestantischen Elternhaus in Berlin. Der Vater war Berufspolitiker. Seine Mutter entstammte einer pietistischen Familie und war von religiöser Innerlichkeit geprägt.
Verhältnis zur Kirche nicht ohne Spannungen
Webers Verhältnis zur Kirche war nicht frei von Spannungen. Konfirmiert, 1893 kirchlich getraut, bis zu seinem Tod Mitglied der badischen Landeskirche, war er keineswegs ein konventioneller Kirchgänger. Er bezeichnete sich selbst als «religiös unmusikalisch».
Weber studierte Rechtswissenschaft, Philosophie und Ökonomie, wurde Professor für Nationalökonomie in Freiburg im Breisgau, danach in Heidelberg. In Heidelberg trafen sich bei Weber Politiker und Wissenschaftler zu sonntäglichen Tee-Zirkeln. Dieser «Weber-Kreis», an dem neben Ernst Troeltsch auch Karl Jaspers, Georg Lukács und Ernst Bloch teilnahmen, trug zum «Mythos von Heidelberg» bei. In Heidelberg schrieb Weber seine bedeutendsten Werke.
Weltweite Faszination
Zum Klassiker avancierte Weber aber mit dem Aufsatz «Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus», erschienen 1904/1905. Diese religionssoziologische Fallstudie über den Einfluss des calvinistischen Arbeitsethos auf die Entstehung des modernen Kapitalismus übt bis heute weltweit Faszination aus. Auch wenn mittlerweile die Vorbehalte überwiegen: Der Text gehört für Soziologie-Studierende auf der ganzen Welt zur Pflichtlektüre.
Von Politikern wird auch Webers Vortrag «Politik als Beruf» aus dem Jahr 1919 gerne zitiert. Weber hat die Formulierung geprägt, Politik sei das «langsame Bohren dicker Bretter». Von ihm stammt auch die Unterscheidung zwischen Verantwortungs- und Gesinnungsethik. Im Alter von 56 Jahren starb Max Weber am 20. Juni 1920 in München an den Folgen einer Lungenentzündung.