Statistik
Jede zweite Person glaubt an ein Leben nach dem Tod
Immer weniger Menschen in der Schweiz besuchen religiöse Veranstaltungen oder Gottesdienste. Das ist das Fazit einer neuen Studie des Bundesamts für Statistik, für die mehr als 14'000 Personen befragt wurden. Vor zehn Jahren besuchten noch zwei Drittel mindestens einmal im Jahr eine religiöse Veranstaltung oder einen Gottesdienst. Heute ist es noch rund die Hälfte. Unter den Reformierten waren es immerhin 66 Prozent – allerdings ging nur jeder Fünfte regelmässig (mindestens einmal im Monat) in die Kirche.
Die Studie, die seit 2014 alle fünf Jahre veröffentlicht wird, birgt im Detail aber noch einige weitere interessante Erkenntnisse. Wir stellen fünf daraus vor.
Mehr Austritte aus Unzufriedenheit als wegen der Steuern
19,5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer waren per Ende 2023 Mitglied der evangelisch-reformierten Landeskirche – Tendenz rückläufig. Die Studie hat konfessionsübergreifend die Gründe untersucht, warum Menschen ihre Religion aufgegeben haben.
Auffallend ist, dass doppelt so viele Menschen wegen anderer Ansichten aus ihrer Religionsgemeinschaft ausgetreten sind als solche, die Steuern sparen wollten.
Freikirchler beten deutlich häufiger
Zwei von fünf Menschen (knapp 40 Prozent) in der Schweiz beten regelmässig. Das sind 7,3 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Während Konfessionslose wenig überraschend kaum beten, bestehen zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften deutliche Unterschiede.
Unter Mitgliedern von Freikirchen wird mit Abstand am häufigsten gebetet. Das regelmässige Beten hat bei ihnen gar um sieben Prozent zugenommen. Das freut den Dachverband der Freikirchen, der nach Publikation der Statistik eine Medienmitteilung mit dem Titel «Freikirchen entwickeln sich gegen den Trend» verschickte. Erstmals erwähnte das Bundesamt die Freikirchen namentlich, fasste sie aber unter «andere christliche Glaubensgemeinschaften» zusammen.
Spiritualität ist selten Ersatz
Häufig argumentieren Gegner der Säkularisierungs-These, dass wegen der Zunahme von anderen Glaubensformen nicht von einem generellen Bedeutungsverlust von Religion gesprochen werden kann. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik sprechen dagegen eher eine andere Sprache.
So ist die Zahl der Menschen, die sich als spirituell bezeichnen, stabil – und steigt nicht etwa an. Zwar bezeichneten sich mehr Befragte als sowohl religiös als auch spirituell. Diese Zunahme vermag allerdings den Rückgang der «Nur-Religiösen» nicht zu kompensieren.
Von den Mitgliedern der Reformierten bezeichneten sich 42 Prozent als religiös, von Katholiken 53, von Muslimen 66 und von Freikirchen 74 Prozent.
Die Hälfte glaubt an ein Leben nach dem Tod
Eine Entwicklung spiegelt sich in den Zahlen deutlich: Der Glaube an Gott ist rückläufig. Waren es vor zehn Jahren noch 48 Prozent, die an einen oder mehrere Götter glaubten, sind es heute noch deren 40. Insbesondere Personen ab 65 Jahren glauben weniger häufig an Gott: minus 14 Prozentpunkte gegenüber 2014.
Auffallend verbreitet ist dagegen der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer sind überzeugt, dass es im Jenseits weitergeht. Vor allem Junge (unter 25 Jahren) sind für diese Idee empfänglich. Selbst bei den Konfessionslosen ist der Anteil mit rund einem Drittel beträchtlich.
Besorgniserregend scheint der Aufschwung bei den Verschwörungstheorien: Jeder Vierte glaubt heute daran, dass geheime Mächte im Hintergrund das Weltgeschehen lenken.
Religion ist wichtig in Krisenzeiten
Die Studie zeigt auch, wo Religion und Spiritualität nach wie vor eine wichtige Rolle spielen: hauptsächlich in schwierigen Momenten des Lebens. Auch für die Bewältigung der Klima- oder anderer Umweltkrisen scheinen Religionen oder spirituelle Angebote ein nicht zu unterschätzender Hebel zu sein: Die Hälfte der Befragten gab an, dass diese für ihre Einstellung gegenüber der Natur oder Umwelt relevant seien. Für Frauen hatten Religion und Spiritualität generell eine grössere Bedeutung als für Männer.