Spiritualität

Religiöse Gemeinschaften zeichnen sich aus durch Diversität

Kirchenmitglieder engagieren sich eher freiwillig und treffen in ihrem Umfeld häufiger Menschen mit unterschiedlichen Bildungsniveaus. Das sind zwei Erkenntnisse aus einer Studie, die von den Zürcher Landeskirchen in Auftrag gegeben worden ist.

Seit dem Ja zur «Ehe für alle» dürfen auch homosexuelle Paare heiraten. (Bild: Michael Buholzer/ Keystone)

Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass Mitglieder in religiösen Gemeinschaften stärker am politischen Leben teilnehmen oder über eine höhere Arbeitsmotivation verfügen als andere. Letztere zeige sich darin, dass sie eher bereit seien, für die Allgemeinheit zu arbeiten statt für sich selbst.

Auch Freundschaften lassen sich offenbar einfacher schliessen als in anderen Organisationen oder bei der Arbeit. Im Vergleich seien Religionsgemeinschaften zudem diverser. So würden Männer und Frauen oder Menschen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund aufeinandertreffen. 

Zürcher Justizdirektorin: Staat wird entlastet

Die übergreifende Gemeinschaft sei «ein hohes Gut in unserer individualisierten Gesellschaft», stellte die reformierte Zürcher Kirchenratspräsidentin Esther Straub anlässlich der Studienpräsentation fest.

Negativer schätzten die Mitglieder die Mitbestimmung ein. Ein Punkt, den auch Vera Newec, Vize-Synodalpräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, aufnahm. «Der Reformdruck ist bei uns am grössten. Den Wunsch nach mehr Mitbestimmung müssen wir aufgreifen», sagte sie.

Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr anerkannte die sozialen Leistungen und die Wertevermittlung durch die religiösen Gemeinschaften. Dies gewinne gerade in einer stark veränderten Religionslandschaft an Bedeutung, in der die Konfessionslosen mittlerweile die grösste Gemeinschaft sind. Staatliche Institutionen würden durch religiöse Gemeinschaften entlastet, sagte Fehr.

Die Regierungsrätin sprach auch die Missbrauchsstudie zur Katholischen Kirche an. «Die Resultate haben mich nicht überrascht, aber in dem Ausmass erschüttert», sagte sie und sprach vom «Elefanten im Raum». Im vergangenen September wurde bekannt, dass Priester und Ordensangehörige in der Schweiz seit 1950 mindestens 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch begingen, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte. Die meisten Fälle wurden von der Kirche verschwiegen, vertuscht oder bagatellisiert.

Budgetentscheid steht an

Die nun vorgestellte Studie wurde von der katholischen und reformierten Zürcher Landeskirche sowie der Justizdirektion in Auftrag gegeben. Sie sollte den Beitrag der Religionsgemeinschaften für das Gemeinwohl aufzeigen. Laut den Professorinnen Katja Rost und Dorothea Lüddeckens von der Universität Zürich ist dieser auf verschiedenen Ebenen sichtbar. 

Der Kanton Zürich unterstützt die Katholische Kirche, die Reformierte Kirche, die Christkatholische Kirche sowie die liberale jüdische Gemeinde und die Israelitische Kultusgemeinde mit jährlich rund 50 Millionen Franken.

Ob die Studie einen direkten Einfluss auf die künftige Finanzierung haben wird, konnte Regierungsrätin Fehr nicht sagen. Allerdings zeigten diese und andere Studien, dass «die Beiträge gerechtfertigt sind». Der Kantonsrat wird noch dieses Jahr über die Beiträge ab 2026 befinden. (sda/ jow)