Reformierte Zeremonie für homosexuelle Paare kaum nachgefragt

Seit 2013 bietet die reformierte Kirche Waadt eine spezielle Zeremonie für homosexuelle Paare in eingetragener Partnerschaft an. Dass dieses Angebot in den letzten Jahren nur acht Paare in Anspruch genommen haben, hat wohl auch mit den Bedingungen dieser Zeremonien zu tun.

Das Reglement für kirchliche Feiern von homosexuellen Paaren im Kanton Waadt sieht Ringtausch und Segnung nicht vor. (Bild: Keystone/Jörg Sarbach)

Seit die Zeremonie für gleichgeschlechtliche Paare im 2013 eingeführt wurde, konnten laut Bericht der reformierten Kirche Waadt nur acht Zeremonien abgehalten werden: eine im Jahr 2013, zwei 2014, drei 2015, eine 2016 und eine in diesem Jahr. Zum Vergleich: Pro Jahr finden in der reformierten Kirche Waadt rund 200 Hochzeiten heterosexueller Paare statt.

Bei der Zeremonie für gleichgeschlechtliche Paare müssen Einschränkungen beachtet werden. So ist beispielsweise eine Segnung homosexueller Paare nicht verboten, jedoch laut Reglement auch nicht vorgesehen. Ebenso verhält es sich mit dem Ringtausch. Im Reglement, das von der Kirchensynode Ende 2013 angenommen wurde, steht klar: Der Pfarrer muss darauf achten, dass es bei den symbolischen Handlungen der Zeremonie nicht zu einer Verwechslung mit der heterosexuellen Ehe kommt. Wie das Nachrichtenportal Protestinfo.ch am 7. August meldete, wurden bei den acht durchgeführten Zeremonien diese Bedingungen eingehalten.

Paar wurde gleich zweimal abgelehnt

Bis heute steht es einer Pfarrerin oder einem Pfarrer im Kanton Waadt frei, ob sie für homosexuelle Paare eine Zeremonie durchführen will oder nicht. Gemäss Bericht hätten sich aber die meisten auf Anfragen eingelassen. Es sei nur ein Fall dokumentiert, bei dem ein homosexuelles Paar gleich von zwei Pfarrpersonen abgelehnt wurde. Die Feier fand dann nicht in der Kirche, sondern in einer Scheune statt. Auf die Ablehnung angesprochen, begründete ein Pfarrer, dass er die Reaktion seiner Kirchenmitglieder fürchtete. (bat)