Zürcher Landeskirche

So knapp war die Klima-Abstimmung der Reformierten

Die Zürcher Reformierten haben einer Pionierrolle der Kirche beim Klimaschutz nur hauchdünn zugestimmt. In einer Grafik zeigen wir, welche Gemeinden den Ausschlag gaben. Und leiten drei Erkenntnisse daraus ab.
Die reformierten Kirchgemeinden im Kanton Zürich sollen mehr Verantwortung für Klima und Umwelt übernehmen. Das haben die Reformierten an der Urne beschlossen. Im Bild die reformierte Kirche Schwerzenbach. (Bild: Gaëtan Bally)

Die Zürcher Reformierten haben den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative mit 52,7 Prozent Ja-Stimmen angenommen (ref.ch berichtete).

Damit setzt sich die Zürcher Landeskirche strengere Klimaziele als der Kanton. Beispielsweise sollen die Treibhausgasemissionen von kirchlichen Gebäuden bis 2035 «Netto Null» erreichen. Das Ja bedeutet auch, dass die Kirchgemeinden zur Zertifizierung mit einem Umweltlabel wie dem «Grünen Güggel» verpflichtet werden.

Wir haben uns die Abstimmungsresultate in den einzelnen Gemeinden genauer angesehen. Drei Dinge sind uns dabei aufgefallen.

Hohe Stimmbeteiligung

Die hohe Stimmbeteiligung von 40,6 Prozent hat alle überrascht. Nur wenige Reformierte, die am Sonntag abstimmten, liessen den Zettel der Landeskirche aussen vor. Diese Vermutung wird durch einen Vergleich mit der Stimmbeteiligung bei den anderen nationalen und kantonalen Vorlagen vom Sonntag erhärtet, die zwischen 47 und 49 Prozent lag – auch wenn dort nicht nur Reformierte abstimmten.

Am höchsten war die Stimmbeteiligung in Truttikon, wo 60,3 Prozent der Stimmberechtigten den Zettel ins Couvert legten. Am wenigsten Reformierte stimmten in den Zürcher Stadtkreisen 4 und 5 ab: 28 Prozent.

Tobias Adam, Initiant der Schöpfungsinitiative und Kopf hinter der Vorlage, hatte im Vorfeld der Abstimmung gegenüber ref.ch gesagt, er wäre bereits mit einer Beteiligung von über 20 Prozent zufrieden. Als Referenz nannte er die Wahlbeteiligung bei Synodalwahlen, die je nach Bezirk zuletzt zwischen 12 und 24 Prozent gelegen hatte. Simone Schädler vom Nein-Komitee wiederum war optimistischer und hoffte auf eine Quote von über 30 Prozent. «Alles unter 20 Prozent müssten wir so deuten, dass die Kirche oder das Thema Klimaschutz für die meisten Menschen nicht relevant genug ist», sagte sie.

Dass die Erwartungen beider Lager übertroffen wurden und total rund 115'000 Reformierte den Stimmzettel einwarfen, zeigt, dass Kirche und Klimaschutz für die Zürcher Reformierten durchaus von Relevanz sind – und vielleicht auch, dass demokratische Mitbestimmung gewollt ist.

Stadt-Land-Graben

Die Städte Zürich und Winterthur sagten mit 70 bzw. 62 Prozent Zustimmung am deutlichsten Ja. Dabei sorgte die Kantonshauptstadt alleine für den Unterschied. 12'179 Ja-Stimmen standen in Zürich lediglich 5177 Nein-Stimmen gegenüber.

Damit wäre die Vorlage ohne die Stadt Zürich sogar abgelehnt wurden. Denn zählt man die Resultate aller anderen Gemeinden (inklusive Winterthur) zusammen, ergibt das eine Differenz von 699 Stimmen zu Gunsten der Gegner. Dank Zürich resultierte aber ein Plus von 6303 Ja-Stimmen. Es ist eine Zahlenspielerei, die aber doch zeigt, wie knapp das Ergebnis war.

Und: Die Gegner kamen nicht nur aus dem «Bible Belt» (mit dem die hohe Dichte an Freikirchen im Tösstal und Zürcher Oberland gemeint ist), sondern generell aus ländlichen Regionen. Der Stadt-Land-Graben zeigt sich deutlich.

Kein «Ständemehr»

Wird bei nationalen Vorlagen über eine Verfassungsänderung abgestimmt, muss auch die Mehrheit der Kantone Ja sagen. Ein solches Ständemehr gibt es bei den Zürcher Reformierten wohlweislich nicht. Da es sich um eine Vorlage zur Änderung der Kirchenordnung handelte (welche die Reformierten als ihre Verfassung verstehen), die die Kirchgemeinden sehr direkt betrifft, ist ein Blick auf die Resultate in den einzelnen Gemeinden dennoch spannend. Dabei ist zu beachten, dass nicht nach Kirchgemeinden, sondern nach politischen Gemeinden ausgezählt wurde.

65 Kirchgemeinden stimmten zu, 114 waren dagegen. Besonders stark verfingen die Argumente des Nein-Komitees – «Güggelzwang» und drohender Autonomieverlust der Kirchgemeinden – bei den Reformierten aus den Gemeinden Wil ZH, Fischenthal und Schlatt. Jeweils über 70 Prozent sagten Nein.

Die Erkenntnis, dass seine Pläne zwar von einer Mehrheit der Stimmberechtigten gutgeheissen, jedoch von einer Mehrheit der Gemeinden abgelehnt werden, muss den Zürcher Kirchenrat interessieren. Schliesslich muss er die Beschlüsse nun teilweise gegen den Willen der Menschen vor Ort durchsetzen.

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