Raum der Stille Nr. 5: Lesesaal der Museumsgesellschaft, Zürich

Das Portal ref.ch stellt in einer Serie 15 ausgewählte Räume der Stille vor. Teil 5: Lesesaal der Museumsgesellschaft, Zürich.

(Bild: Michel Gilgen)

Während der beiden Weltkriege war die Museumsgesellschaft eine Zuflucht für Emigranten aus allen Teilen Europas. Hier fanden sie Zeitungen und Bücher, und hier gab es beheizte Räume. Lenin war hier, James Joyce, Manès Sperber und Walter Serner, Kurt Tucholsky und Golo Mann.

Noch bis in die 60-er Jahre wurden die Namen der Gäste fein säuberlich in einem Fremdenbuch registriert. Heute sitzen in dem lichtdurchfluteten Lesesaal Studenten, Schriftstellerinnen und Professoren vor ihren Laptops. Durch die geöffneten Fenster dringen gedämpft die Geräusche des Limmatquais.

Die Fensterreihe mit Blick auf die Limmat ist Einzelmitgliedern vorbehalten und – eine der zahlreichen Besonderheiten des Hauses – ausschliesslich für die Zeitungslektüre gedacht. Die Uhr an der Wand scheint etwas langsamer zu ticken als anderswo, der Saal mit seiner Stuckdecke und den schweren Ölgemälden strahlt Würde aus, er lässt sich nicht so schnell etwas vom Zeitgeist diktieren, der schöne Parkettboden knarrt diskret unter den Füssen. 


 

 

Nächster Teil: Die Autobahnkirche in Schattdorf, Uri.

 

Raum der Stille Nr. 1: Andachtsraum Flughafen Kloten

Raum der Stille Nr. 2: Fischen am Wägitalersee

Raum der Stille Nr. 3: Keller, Kirche St. Jakob, Zürich

Raum der Stille Nr. 4: «meditation room» der Fifa