Rabbiner Tovia Ben Chorin ist tot
«Mit grosser Trauer» hat der Runde Tisch der Religionen St. Gallen über den Tod von Tovia Ben Chorin informiert. Der Verein bezeichnet den liberalen Rabbiner als die «gute Seele» im interreligiösen Dialog in St. Gallen. Mit «Charme, Witz, Temperament, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Gastfreundschaft, einem ungeheuren Wissen und grosser Sensibilität auch für die schwierigen Seiten im interreligiösen Dialog» habe er die Menschen inspiriert, heisst es in der Mitteilung. Zahlreiche Menschen aus der Region würden mit ihm «unvergessliche Erinnerungen» verbinden.
So habe er Hunderten von Schulkindern die Synagoge gezeigt, beim Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag mit dem Schofar den Klosterplatz beschallt oder beim islamischen Fastenbrechen Iftar alle Anwesenden gesegnet. Sein Engagement sei schier «unerschöpflich» gewesen. So habe er bis kurz vor seinem Tod online an Sitzungen für den interreligiösen Dialog teilgenommen.
Tovia Ben Chorin war 1936 in Jerusalem geboren. Nach dem Studium der Bibel- und jüdischen Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem besuchte er das Rabbinerseminar in Cincinnati (USA) und wurde 1964 ordiniert. Danach war er Rabbiner unter anderem in liberalen Gemeinden in Jerusalem, Zürich und Berlin, bevor er 2015 nach St. Gallen kam. Zweimal hatte Ben Chorin den Vorsitz des Israel Council of Progressive Rabbis inne. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne. Nun ist der Rabbiner im Alter von 86 Jahren verstorben. (mos)