Proteste in Pakistan dauern nach Freispruch von Christin an

Auch zwei Tage nach dem Freispruch einer wegen Gotteslästerung verurteilten Christin in Pakistan gibt es noch immer Proteste radikaler Islamisten. Aus Angst vor heftigen Ausschreitungen bleiben Schulen und Büros in grösseren Städten geschlossen.


Die Gespräche der Regierung mit der radikalislamischen Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) sind gescheitert. Das sagte der TLP-Anführer Khadim Rizvi in der nordöstlichen Metropole Lahore. «Wir werden uns nicht zurückziehen, bis die Richter, die das Todesurteil aufgehoben haben, entlassen sind und Bibi gehängt wird», warnte der Prediger.

Ausgebrochen waren die Strassenproteste am 31. Oktober, nachdem die wegen Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle vom Obersten Gerichtshof in Islamabad freigesprochen worden war. Der heute 51-jährigen Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäussert zu haben. Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden.

Drei Zufahrten in Islamabad blockiert

Auch am 2. November blieben aus Angst vor heftigen Ausschreitungen Schulen und Büros in grösseren Städten geschlossen, auf den Strassen war wenig Verkehr. In Islamabad blockierten Extremisten drei der vier Zufahrten in die Hauptstadt. Pakistans Regierung hatte Soldaten zum Schutz von Amtsgebäuden in mehrere Grossstädte des Landes entsandt.

Zum derzeitigen Aufenthaltsort Bibis gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Örtliche Medienberichte deuteten aber an, sie sei möglicherweise wegen Sicherheitsbedenken aus Pakistan geflohen. (sda/bat)