Problemlöserin mit Sprengkraft

Pfarrerin Nica Spreng aus Meisterschwanden (AG) hatte immer schon einen Fuss in der Privatwirtschaft. Als Coach und Prozessbegleiterin berät sie Kaderleute bei ihren beruflichen und privaten Problemen. Und macht ihnen gehörig Dampf unterm Hintern.

Pfarrerin und Businessfrau: Nica Spreng aus Meisterschwanden.
Pfarrerin und Businessfrau: Nica Spreng. (Bild: zVg)

Man könnte sich Nica Spreng ohne weiteres in der Führungsposition eines Unternehmens vorstellen. Die 41-jährige Bernerin strahlt Energie aus, sie spricht überlegt und präzis, und man merkt, dass sie gut mit Menschen umgehen kann. Wer ihr auf der Strasse begegnet, würde nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass sie hauptberuflich Pfarrerin in der idyllischen Gemeinde Meisterschwanden im Aargauer Seetal ist.

Es wäre auch nur die halbe Wahrheit. Denn Nica Spreng hat von Jugend auf zwei Berufungen. Neben dem klassischen Weg vom Theologiestudium zum Pfarramt verfolgte sie mir Leidenschaft und Konsequenz ihre zweite Bestimmung: die als selbständige Beraterin von Führungskräften. Inzwischen macht sie das professionell und führt neben dem 50-Prozent-Pfarramt eine eigene Coachingfirma.

Explosive Beratungen

«Sprengsätze» heisst die Webseite ihrer Firma. Ein kraftvolles Wortspiel, das nur auf den ersten Blick leicht irritiert. Auf die Frage, ob eine Beratung bei ihr gefährlich sei, lacht Nica Spreng. «Vor allem Männer reagieren auf diesen Namen», sagt sie im Gespräch in ihrem Büro in Meisterschwanden, «er erinnert sie irgendwie ans Militär.» Es gehe ihr im Coaching aber vor allem darum, Dinge in Bewegung zu bringen. «Ich bin von der Persönlichkeit schon jemand, der gerne mal ein bisschen Dampf unterm Hintern macht», sagt sie. «Wo Veränderungen anstehen, ist es manchmal nötig, Altes wegzusprengen, um neue Ressourcen sichtbar zu machen.»

Mittlerweilen hat sie fast zwanzig Jahre Erfahrung darin, Menschen in schwierigen Situationen neue Wege aufzuzeigen. Als Werkstudentin in Bern hatte sie sich ihr Theologie-Studium mit diversen Jobs finanziert. Dabei kam sie auch mit Kriseninterventionen, Konfliktmanagement und allgemein Coaching in Kontakt. Eine Aufgabe, die sie faszinierte und nicht mehr losliess. Es folgten Weiterbildungen und schliesslich der Master Coaching an einer Fachhochschule.

Pluspunkt als Pfarrerin

Immer schon stand Nica Spreng also mit einem Fuss in der Welt von Wirtschaft und Business. Den Kontrast zu ihrer Arbeit als Pfarrerin sucht sie sehr bewusst. «Als Coach habe ich mit Führungspersonen zu tun, die viel Verantwortung tragen, grosse Herausforderungen zu bewältigen haben und denen oft ein Gesprächspartner auf Augenhöhe fehlt. Solche Themen faszinieren mich», sagt sie.

Zeitmanagement, Neuorientierung, Leadershipfragen, aber auch Burnout und Einsamkeit sind typische Themen, mit denen Nica Spreng in ihren Sitzungen mit Führungsleuten konfrontiert wird. Dass sie auch Pfarrerin ist, sieht sie als Pluspunkt: «Mein Vorteil: Ich bin keine Konkurrenz für diese Leute. Dadurch können sie sich öffnen und mir Dinge erzählen, über die sie sonst mit niemandem reden können.»

Potentiale wecken

Die spannendste Herausforderung sind für sie jedoch Strategieentwicklungsprozesse. Dabei berät sie Geschäftsleitungen bei der Ausarbeitung neuer Strategien. «Meine Aufgabe ist, die Leute in diesem Prozess zu begleiten, sie miteinander ins Gespräch zu bringen, schlummernde Potentiale aus ihnen herauszukitzeln und zu motivieren, dass Ziele erreicht werden». Ihre Auftraggeber kommen aus so unterschiedlichen Bereichen wie der Baubranche oder dem Gesundheitswesen. In einem ihrer Projekte brachte sie die Leiter der Altersheime aus einer Region an einen Tisch, um über Lösungen zur Altersversorgung nachzudenken. Solche Prozessbegleitungen sind ganz nach dem Geschmack von Nica Spreng: «Zu sehen, wie man an einem Strick zieht und etwas zum Positiven wendet, ist für mich etwas vom Herrlichsten.»

Sich selbst in die «Sätze bringen»

Nicht nur andere, auch sich selbst bringt die bodenständige Powerfrau regelmässig «in die Sätze». Sie lässt sich selbst coachen und plant demnächst eine Retraite, um über ihre nähere Zukunft nachzudenken. Die Prozessbegleitungen begeistern sie, das möchte sie gerne ausbauen. Vielleicht sogar im Rahmen eines Entwicklungsprojekts im Ausland. Denn auch dort sind sie gefragt: die Problemlöserinnen mit Sprengkraft.

 

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