Kritik an Pflegeeltern: Freikirchlicher wehren sich

In der Diskussion über die Platzierung von Pflegekindern in christlichen Familien ging der «Blick» in seiner Berichterstattung mit den Freikirchlern hart ins Gericht: Kinder würden zum Mittagsgebet gezwungen und Schuldgefühle erzeugt. Nun wehren sich die Freikirchler: Sie sprechen von «Einzelfällen» und davon, dass vielmehr die Arbeit von Familien, welche Pflegekinder aufnehmen, gewürdigt werden soll.

Freikirchliche Verbände wehren sich gegen den Vorwurf, dass Pflegeeltern mit freikirchlichem Hintergrund die ihnen anvertrauten Kinder religiös manipulieren würden. Bild: Wikimedia

Wie die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) und der Verband Freikirchen Schweiz (VFG) in einer gemeinsamen Mitteilung vom 17. Oktober schreiben, sei der Beitrag im Blick und Texte  in anderen Medien «unsachlich und gegenüber den Pflegefamilien und freikirchlichen Christen generell verletzend und diskriminierend» (auch ref.ch berichtete).

Die Verbände wollen nun die Chance der medialen Debatte nutzen, um «die anspruchsvolle Arbeit und das Engagement von Familien aufzuzeigen, die ein Kind aus einer Problemfamilie in den eigenen Familienalltag integrieren». VFG-Präsident und SEA-Vorstandsmitglied Max Schläpfer hält die Angst vor religiöser Beeinflussung für unbegründet. Freikirchliche Pflegeeltern seien sich bewusst, dass die anvertrauten Kinder nicht religiös manipuliert werden dürften.

Selten ernsthafte Probleme

Schläpfer ist sich gemäss Mitteilung bewusst, dass die Aufgabe, die Pflegeeltern auf sich nehmen, herausfordernd ist und dass auch christliche Familien nicht vor Fehlern gefeit sind. Diesbezüglich sei es aber «selten zu ernsthaften Problemen» gekommen. Er erinnert zudem an die Fakir-Studie des Schweizerischen Nationalfonds von 2010, die den Freikirchen und ihren Mitgliedern einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohl attestiert hat.

«Pauschal verfasste Vorwürfe» würden Religionsfreiheit tangieren

Bei der Betreuung von Kindern aus Problemfamilien würden laut SEA und VFG auch Kinder- und Schulheime eine wichtige Arbeit leisten, die Platzierung von Kindern in einer Familie biete aber die Chance, dass Kinder eine funktionierende Familie mit Eltern und Geschwistern kennenlernen und dabei auf ein selbständiges Leben vorbereitet werden.

Weiter verweisen die Verbände darauf, dass abwertende Aussagen gegen Freikirchler in der Sache nicht dienlich seien und als pauschal verfasste Vorwürfe an eine Glaubensgemeinschaft das in der Schweiz verankerte Grundrecht der Religionsfreiheit tangiere.

In der Schweiz leben gemäss «Pflegekinder-Aktion» rund 15’000 Pflegekinder.