Pfarrer lehnen sich gegen Segnung homosexueller Paare auf

In der Evangelischen Landeskirche Württemberg protestieren über 300 Pfarrer gegen einen Beschluss der Synode, wonach homosexuelle Paare künftig gesegnet werden können. Auch die Schweizer Reformierten wird das Thema bald beschäftigen.


In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg regt sich Widerstand gegen den Beschluss der Landessynode vom März, die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen. Auf einer Unterschriftenliste erklärten 335 Pfarrer, solche Segnungen nicht zu vollziehen, wie der Marbacher evangelische Dekan Ekkehard Graf am 9. Mai mitteilte. Die Unterzeichner machten deutlich, dass sie «für eine vom Wort Gottes nicht gedeckte Segnung nicht zur Verfügung stehen.»

An einem Treffen der Segnungskritiker in der Nähe von Stuttgart hätten auffällig viele junge Theologen teilgenommen. Diese Nachwuchspfarrer wollten «nicht in einer Kirche der theologischen Beliebigkeit arbeiten», hiess es. Mit der Unterschriftenaktion sollen Pfarrer Rückhalt bekommen, dass sie mit ihrem persönlichen Nein zu den Segnungen nicht alleine auf weiter Flur stehen, unterstrich ein beteiligter Pfarrer. Die Liste wird nicht veröffentlicht, wurde allerdings den Mitgliedern der Landessynode zugesandt.

Segnung in fast allen Landeskirchen erlaubt

Die württembergische Landessynode hatte sich nach jahrelangen Diskussionen bei ihrer Frühjahrstagung zu einem Kompromiss durchgerungen. Demnach dürfen Kirchgemeinden Segnungsgottesdienste für Lesben und Schwule anbieten, wenn drei Viertel des Kirchgemeinderats und drei Viertel der für die Gemeinde verantwortlichen Pfarrer sowie der Oberkirchenrat zustimmen. Segnungs- oder Traugottesdienste sind damit in allen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Ausnahme der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe erlaubt.

Kirchenbund debattiert über «Ehe für alle»

Das Thema wird demnächst auch die Reformierten in der Schweiz beschäftigen. So wird der Schweizerische Evangelische Kirchenbund in der Abgeordnetenversammlung vom 19. bis 21. Juni eine Motion der St. Galler Landeskirche diskutieren. Diese forderte den Kirchenbund bereits vor knapp drei Jahren dazu auf, zu den Themen Familie, Ehe, Partnerschaft und Sexualität Stellung zu beziehen.

Aufgrund der Vorarbeiten kam der Kirchenbund zum Schluss, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ins Zentrum der Debatte zu stellen. Die Ergebnisse sollen in die Vernehmlassung zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» einfliessen, an der der Kirchenbund beteiligt ist. Die Vernehmlassung wurde im März eröffnet und dauert bis zum 21. Juni.

Die Schweizer Reformierten sind in der Frage einer Öffnung der Ehe für alle gespalten. Während sich homosexuelle Paare in der Deutschschweiz und im Tessin bereits segnen lassen können, ist dies in den meisten Kirchen der Westschweiz nicht möglich. (epd/no)