Musik

«Die Kirche wird Teil der Inszenierung»

Erstmals wird in der Zürcher Citykirche eine Oper aufgeführt. Die Besucher müssen dabei aber nicht in der Kirchenbank sitzen bleiben. Sie sollen die Kirche in verschiedenen Stationen entdecken, sagt die Projektverantwortliche und Pfarrerin Franziska Bark Hagen.
Premiere in der Zürcher Citykirche: Mit «No Name (God)» wird eine Oper aufgeführt. (Bild: jow.)

Frau Bark Hagen, mit einer Oper verbindet man oft einen Dresscode und stundenlanges Sitzen. Was ist bei «No Name (God)» anders?
«No Name (God)» ist eine Produktion der freien Berliner Opernkompanie Novoflot, die für experimentelle Opernproduktionen bekannt ist. Bei uns erwartet das Publikum keine klassische Oper, sondern eine musiktheatrale Pilgerreise durch die Kirche. Die Musik des Thuner Komponisten Michael Wertmüller wurde eigens für unsere Orgel geschrieben und tritt in Dialog mit weiteren Werken. Dazu kommen zwei Sängerinnen, Musikerinnen, zwei Chöre und drei Geflüchtete aus unserer Community, die Teil der Aufführung sind.

Kirche wird zur Bühne

Das Musiktheater Novoflot führt «No Name (God)» am 12.6.,13.6. und 14.6 in der Citykirche Offener St. Jakob in Zürich auf. Der Eintritt ist frei. Am Samstag gibt es um 18.30 Uhr gibt es eine Werkeinführung und ein Publikumsgespräch mit Regisseur Sven Holm. Die Aufführung beginnt um 19 Uhr und endet um 22 Uhr, innerhalb dieses Zeitraumes ist sie frei begehbar. Franziska Bark Hagen hat das Projekt mitinitiiert. Sie ist Theologin, arbeitet als reformierte Pfarrerin an der Citykirche und ist Leiterin des Pilgerzentrums. (jow)

Wie muss man sich diese Pilgerreise vorstellen?
Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich während der Aufführung durch den Kirchenraum und werden dabei zu verschiedenen musikalischen und erzählerischen Stationen geführt. Eine Station lädt beispielsweise zu einer japanischen Teezeremonie ein, die auf die Tradition des Pilgerns zu Teehäusern verweist. Solche eher intimen Momente im Stück werden von kraftvollen Auftritten der Chöre oder der Orgel abgelöst.  Das Stück dauert rund 70 Minuten, wird dreimal im Loop aufgeführt und hat keinen festen Start- oder Endpunkt.  

Welche Rolle spielt die Kirche als Aufführungsort?
Die Kirche wird selbst Teil der Inszenierung. Die Besuchenden entdecken «Pilgerwege» an einem Ort, an dem sie diese eher nicht erwarten würden. Das ist natürlich auch augenzwinkernd gemeint. Wir laden ein, sich auf unterschiedliche Perspektiven und Erzählungen einzulassen.

Die Aufführung ist in unterschiedlichen Stationen zu erkunden. (Bild: Caroline Minjolle)

Was sollten Besucherinnen und Besucher mitbringen?
Vor allem Neugier und Offenheit. Die Aufführung richtet sich an Leute, die Lust haben, neue musikalische und performative Formen zu erleben. Sie eignet sich also eher weniger für Menschen, die lieber im Sessel sitzen würden, um zum wiederholten Mal «Così fan tutte» zu sehen.

Was ist mit dem Titel «No Name (God)» gemeint?
«No Name» bezeichnet im Theater eine Position, die noch nicht definiert ist. Gleichzeitig stellt die Aufführung die Frage, wie und wo sich Gott zeigt. Wir sind gespannt, wie uns die Opernkompanie daran heranführt.

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