Ausserordentliche EKS-Synode

Offene Fragen klären

Am Sonntag und am Montag kommen in Bern Synodale der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) aus der ganzen Schweiz zusammen. Beim Treffen geht es auch darum, die «Causa Locher» abzuschliessen.

Bereits im Juni hat die EKS-Synode in der Expo in Bern getagt. (Bild: EKS / Nadja Rauscher)

Über ein Jahr lang hat der Rücktritt von Gottfried Locher die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) beschäftigt. Im August hat eine Untersuchungskommission bestätigt, die in einer Beschwerde erhobenen Vorwürfe gegen Locher seien glaubhaft (ref.ch berichtete). Nun möchte die EKS die Causa abschliessen: Die Behandlung des Berichtes der nicht-ständigen Untersuchungskommission ist eines von mehreren Traktanden an der ausserordentlichen Synode am Sonntag und Montag in Bern.

Potentielle Räte besser prüfen

Bis Ende Woche sind im Synodebüro weniger als zehn Anträge zu diesem Programmpunkt eingegangen, wie EKS-Synodenpräsidentin Evelyn Borer auf Anfrage bekannt gibt. Es gehe darin vor allem um verfahrenstechnische Grundsätze. Zum Beispiel werde die Frage aufgeworfen, wie mit den Empfehlungen der Untersuchungskommission umzugehen sei, und ob es in diesem Zusammenhang nicht stärkere Verbindlichkeiten brauche.

Personelle Konsequenzen würden bislang keine gefordert, sagt Borer. Ein Antrag verlange aber, dass die Nominationskommission künftig anders arbeitet. Konkret sollten Kandidatinnen und Kandidaten für den EKS-Rat oder das Präsidium vor ihrer Wahl Assessments durchlaufen.

Borer zeigte sich «etwas erstaunt» über die geringe Anzahl an Anträgen. Sie lasse sich überraschen, worüber spontan diskutiert werde. «Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, die Angelegenheit hinter uns zu lassen und wir als Kirche vor allem darüber sprechen, was wir für die Zukunft brauchen, wie wir weiterkommen und wohin wir uns entwickeln wollen», betont Borer.

Höhere Verbindlichkeiten gefordert

Aus Vorgesprächen mit verschiedenen Beteiligten wird klar, die Synodalen haben sich auf die Zusammenkunft vorbereitet und sich hinter den Kulissen teilweise in intensiven Debatten ausgetauscht. In die Karten blicken lassen will sich aber niemand so richtig. Die Synodalen Bern-Jura-Solothurn werden Eingaben machen. Zu deren Inhalt wollte deren Synodalratspräsidentin Judith Pörksen Roder vorab nichts bekannt geben. «Wir sind sehr froh um die Arbeit der Untersuchungskommission und haben uns in vorangegangenen Diskussionen sehr intensiv mit der Angelegenheit auseinandergesetzt», betonte sie.

Etwas konkreter werden die Nordwestschweizer Delegierten. Sie beantragten, der EKS-Rat sei damit zu beauftragen, die Empfehlungen der Untersuchungskommission verbindlich umzusetzen. «Wir wollen damit ein Zeichen gegen Aussen setzen, dass wir die Ergebnisse ernst nehmen und es Verbindlichkeiten braucht», sagt Christoph Herrmann, der basellandschaftliche Kirchenratspräsident.

Mit der Thematik auseinandergesetzt hat sich ebenfalls die EKS-Frauenkonferenz. Sie hat die «Causa Locher» stets eng begleitet, ihre Delegierte Gabriela Allemann war Mitglied der nicht-ständigen Untersuchungskommisison. «Wir haben Wortmeldungen vorbereitet», sagt Präsidentin Sabine Scheuter.

Grundsätzlich sei die Frauenkonferenz sehr froh, dass die Angelegenheit gründlich aufgearbeitet worden sei. Die vorgeschlagenen Strukturverbesserungen in der EKS begrüsse man. «Bei einigen Punkten wären Erweiterungen wünschenswert, etwa um Beschwerdeverfahren nicht nur für Angestellte, sondern auch für Mitglieder von Synode und Kommissionen zu definieren», ergänzte Scheuter. Die detaillierte Diskussion dazu würde am Montag geführt. Die Behandlung des Berichtes ist in der Debatte am Vormittag vorgesehen.

Angesetzt sind zudem die Genehmigung der Rechnung 2020. Die Geschäftsprüfungskommission hat keinen Antrag zur Annahme oder Ablehnung formuliert. Auch die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe 2022 wird ein Thema sein an der Synode.