Kirchenpublizistik
Obwalden steigt aus dem Kirchenboten aus
Der Verband der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Obwalden (Verkow) tritt per Ende 2026 aus dem interkantonalen Kirchenboten (Kibo) aus. Der Verband besteht aus den Kirchgemeinden Obwalden und Engelberg, die aktuell mit einer Gemeindeseite in der gedruckten Zeitung und online vertreten sind. Beide Kirchgemeinderäte haben der Kündigung laut einer Mitteilung im aktuellen Chiläbrief zugestimmt.
Künftig wollen die beiden Gemeinden diesen Chiläbrief, der viermal pro Jahr erscheint, ausbauen. Engelberg, das kein eigenes Printmedium herausgibt, wird dort neu ebenfalls vertreten sein. Ausserdem werde man die Mitglieder über die wöchentliche Gratiszeitung, die Website und die Tageszeitung informieren.
Bedenken aus der Versammlung
Begründet wird der Rückzug aus dem Kibo mit mehreren Faktoren. So sei die Zusammenarbeit mit einem hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand verbunden. «Anpassungen, Korrekturen oder kurzfristige Aktualisierungen sind nur begrenzt möglich und führen regelmässig zu Mehraufwand für die verantwortlichen Personen in unserer Kirchgemeinde.»
In Bezug auf Textumfang, Gestaltung und Termine liessen die Kibo-Vorgaben wenig Spielraum. «Gerade für eine kleinere Kirchgemeinde ist es jedoch wichtig, Inhalte situationsgerecht, aktuell und manchmal auch kurzfristig anpassen zu können.» Und am Ende sei es auch eine Kosten-Nutzen-Abwägung für die Präsenz in einer Zeitung, die elfmal pro Jahr erscheine.
Für die Kirchgemeinde Obwalden geht es um rund 30'000 Franken, wie dem Protokoll der Versammlung vom letzten Dezember zu entnehmen ist. Damals löste die Ankündigung des Austritts Bedenken aus. Etwa, dass man sich damit zu sehr von der restlichen Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz absondern würde.
Der Kirchgemeinderat gab damals an, sich nochmals Gedanken zum geplanten Austritt zu machen. Nun heisst es im Chiläbrief: «Nach reiflicher Überlegung und vertiefter Prüfung ist der Kirchgemeinderat zum Schluss gekommen, am Entscheid festzuhalten.»
«Reduziert die Kirche auf die Kirchgemeinden»
Der Präsident der Kibo-Geschäftsleitung, Frank Lorenz, bedauert den Austritt des Kantons Obwalden. «Weniger wegen der finanziellen Folgen, da die Auflage der einer mittleren Kirchgemeinde entspricht», sagt er auf Anfrage von ref.ch.
Bedauerlich sei der Austritt vor allem für die Obwaldner selber. «Mit dem Schritt nur noch auf das ‹Gemeindeblättli› und die lokale Zeitung zu setzen reduzieren sie die Kirche auf die Kirchgemeinden.» Die meisten Mitglieder würden den Gottesdiensten und Veranstaltungen aber fernbleiben. «Für diese Kirchenfernen ist es wichtiger zu erfahren, was die reformierte Kirche mit ihren Hilfswerken leisten, welche Werte sie vertritt und welche Diskussionen sie führt.»
Der Kirchenbote erreiche laut einer kürzlichen Umfrage der Luzerner Kantonalkirche 70 Prozent der Mitglieder mit seiner Botschaft. «Ein solcher Wert kann mit keinem Kirchenbrief erreicht werden», vermutet Lorenz. (gab)