Nordirland
Streit um protestantische Parade flammt wieder auf
Erstmals seit 28 Jahren sollte der protestantische Oranier-Orden wieder durch die überwiegend katholisch bewohnte Garvaghy Road in Portadown ziehen dürfen. Ein Gericht hatte im August ein bisheriges Verbot wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben. Daraufhin erlaubte die zuständige Paraden-Kommission den Marsch unter strengen Auflagen.
Tausende Anwohnende und Aktivisten blockierten jedoch die Strasse und verhinderten die Parade. Aus Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen untersagte der britische Nordirland-Minister Chris Bryant den Umzug schliesslich.
Während die katholisch-republikanische Partei Sinn Fein das Verbot begrüsste, reagierten protestantisch-unionistische Politiker empört. Der Streit beschäftigt inzwischen auch die Gerichte und die nordirische Regierung.
Der Oranier-Orden erinnert mit seinen Paraden an den Sieg des protestantischen Königs Wilhelm von Oranien über den katholischen König Jakob II. im Jahr 1690. Viele Katholikinnen und Katholiken empfinden die Umzüge als Provokation und Symbol jahrhundertelanger Unterdrückung.
In den 1990er-Jahren kam es rund um die Drumcree-Parade wiederholt zu schweren Ausschreitungen. 1998 starben drei katholische Kinder bei einem Brandanschlag auf ihr Haus. Der Konflikt blieb auch nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 ungelöst.
Die katholische und die anglikanische Kirchenführung der Region Armagh riefen nun beide Seiten zur Zurückhaltung und Versöhnung auf. (sda/ hz)