Nigeria

Hunderte Kinder und Gläubige entführt 

In Nigeria haben Bewaffnete 303 Kinder und 12 Lehrer aus einer katholischen Grund- und Sekundarschule verschleppt. Entführungen sind in dem Land alltäglich.

Massenentführungen im Nordwesten des Landes haben in Nigeria Entsetzen ausgelöst. Wie die Christliche Vereinigung Nigerias (CAN) mitteilte, hatten Bewaffnete 303 Kinder und 12 Lehrer aus einer katholischen Grund- und Sekundarschule im Bundesstaat Niger verschleppt. Zuvor wurden 25 Mädchen aus einer staatlichen Schule im Bundesstaat Kebbi entführt. Kurz darauf brachten Angreifer auf eine Kirche im Bundesstaat Kwara 38 Gläubige in ihre Gewalt. Mehrere Menschen wurden bei den Angriffen erschossen.

50 der Kinder, die aus der katholischen Schule entführt wurden, hätten zwischenzeitlich entkommen können und seien zu ihren Familien zurückgekehrt, teilte die CAN nigerianischen Medien zufolge mit. Nach Angaben des Besitzers der Schule sollen noch 253 Schüler in der Gewalt der Entführer sein.

Der Gouverneur des Bundesstaats Kwara verkündete, dass inzwischen alle 38 aus der Kirche entführten Personen freigelassen worden seien. 

Banden und Terrorgruppen

Im Norden und Zentrum des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas mit mehr als 220 Millionen Einwohnern entführen sowohl kriminelle Banden als auch islamistische Terrorgruppen immer wieder Menschen. Im April 2014 erhielt die Entführung von 276 Schülerinnen durch die islamistische Miliz Boko Haram weltweite Aufmerksamkeit. 82 der Mädchen werden bis heute vermisst.

Für die jüngsten Entführungen hat bislang keine Gruppe öffentlich Verantwortung übernommen. In der betroffenen Region sind bewaffnete kriminelle Gruppen besonders aktiv. Anders als die islamistischen Gruppen verfolgen diese mit den Entführungen keine politischen Ziele, sondern wollen Geld erpressen. 

Über 4700 Entführte in einem Jahr

Entführungen sind in Nigeria alltäglich. Nach Angaben der Sicherheitsberatungsfirma SBM Intel wurden allein zwischen Juni 2024 und Juni 2025 mehr als 4700 Menschen entführt. Mindestens 762 Menschen seien in dem Zusammenhang getötet worden.

Kidnapper hätten in der Zeit Lösegelder von umgerechnet mindestens 1,6 Millionen Euro eingestrichen – und noch weit mehr gefordert. Lösegeldzahlungen sind seit 2022 in Nigeria verboten. Praktisch verscherbeln Familien jedoch alles, was sie haben, um Angehörige wieder freizukaufen.

Da die Landeswährung Naira stark abgestürzt ist, verlangen die Entführer immer höhere Summen. Arbeitslosigkeit, Unsicherheit und Aussichtslosigkeit treiben zugleich immer mehr junge Männer dazu, sich den Banden anzuschliessen. (sda/ hz)

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