«Nicht-Verstehen darf kein Grund zur Trennung sein»

In unserer Interview-Serie stellen wir Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kultur und Kirche in loser Folge fünf gleichbleibende Fragen zum Thema Migration und Integration. Teil 3: Dinah Hess, Leiterin Zentrum für Migrationskirchen.

(Bild: zVg / Bearbeitung ref.ch)

Migration ist nicht nur eine politische Angelegenheit – Was ist ihre moralische Dimension?
Ich bin vor einem Jahr nach Zürich gezogen und fühle mich manchmal fremd. Das Menschsein verbindet uns Menschen. Denn egal ob Schweizerin oder Eingewanderter, Migration und die damit verbundenen Erlebnisse bleiben: Einleben an einem neuen Ort, neue Freunde finden, Anschluss an ein soziales Netzwerk suchen.

Ist das Recht auf freie Bewegung ein Menschenrecht?
Ja! Das Evangelium wird unser Leben und Denken immer wieder stören, kritisieren und auf ein Reich Gottes hinweisen, wo Gerechtigkeit, Friede und Freude sind. Ich kann und darf in dieser Hinsicht nicht politisch, ökonomisch denken.

(Bild: zVg)

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Wie erleben Sie die Kirchen in der Migrationsdebatte?
Wer sind die Kirchen? Von den Kirchenleitungen wünsche ich mir mehr Mut, die Kirchgemeinden zu erinnern, ihre Kirchentüren zu öffnen und den Menschen eine spirituelle Heimat zu geben, wo Gebet, Klage, Trauer und Freude – wo Leben und Glauben geteilt werden.

Was heisst gelungene Integration?
Wenn Menschen voneinander lernen, miteinander leben, Nicht-Verstehen kein Grund zur Trennung ist und sie das Gefühl haben, zuhause zu sein.

Welches Buch, welchen Film oder welche Musik empfehlen Sie Migranten, um die Schweiz verstehen zu lernen?
Tekle, mein Bruder aus Eritrea (Asylsuchender, er wohnt seit sechs Monaten bei meinen Eltern), hört kaum Musik und schaut wenig fern, sein Deutsch ist gut, aber der Wortschatz für ein ganzes Buch fehlt noch. Er spricht am liebsten mit mir bei einer Tasse Tee.