Neujahr

Diese sechs Vorsätze können Sie sich gleich sparen

Nichts ist vergänglicher als Neujahresvorsätze, wie ein Blick in die Fitnessstudios im Februar zeigt. Unser Tipp: Seien Sie nicht zu hart mit sich selbst, kleine Schritte tun es auch.
Digital Detox
Me Time
Dry January
Rauch­stopp
Mehr Sport
Gottes­dienst
Für immer mehr Dienstleistungen sind die Menschen auf Smartphones und Internetzugang angewiesen. (Illustration: Bureau Château)

Digital Detox

Sie geniessen gerade den Anblick eines Feuerwerks, nippen an einem Glas Prosecco, sind umgeben von Freunden und Familie und denken sich wieder einmal: Das echte Leben hat eben doch mehr zu bieten als die virtuelle Welt. Sie täuschen sich. Besser gesagt: Der Bildschirm täuscht Sie. Instagram-Posts, Youtube-Videos und Whatsapp-Meldungen bieten permanente Unterhaltung. Manche Forscher vergleichen die Wirkung sozialer Medien auf unser Belohnungssystem mit derjenigen von Drogen wie Kokain. Weniger von der Droge zu konsumieren, die sie ständig in ihrer Hosentasche herumtragen müssen, ist ein schwieriges Unterfangen. Und vor allem ist es nicht Ihr Fehler, wenn Sie daran scheitern.


Die Abwesenheit von Terminen erleben nicht wenige Menschen als Moment des Glücks. (Illustration: Bureau Château)

Me Time

Aufstehen und tun, wonach einem gerade ist. Ein verlockender Wunsch. Nur ändert Ihr Vorsatz, mehr «Me Time» einzuplanen, wenig daran, dass der Tag 24 Stunden hat und sich Familie, Freunde und Ihr Arbeitgeber spätestens im Januar nach Ihren Verfügbarkeiten für das ganze Jahr erkundigen – wenn nicht schon vorher. Im schlimmsten Fall verpassen Sie die gemeinsamen Ferien, weil Sie sich nicht festlegen wollten. Trösten Sie sich damit, dass es den meisten Menschen so geht. Schliesslich ist die Erfindung und Einteilung der Zeit nicht so sehr eine Frage Ihres persönlichen Organisationstalents, sondern vielmehr eine hochpolitische Angelegenheit.


Rund 85 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren konsumiert Alkohol. (Illustration: Bureau Château)

Dry January

Eigentlich waren Sie nach den üppigen Festessen und dem vielen Wein überzeugt, dass Sie dieses Jahr einen «Dry January» einlegen werden. Vielleicht haben Sie sich auch schon bei einer der zahlreichen «Challenges» angemeldet, die in Newslettern und auf Plakaten im öffentlichen Raum beworben werden. Die «Community» aus Tausenden Menschen soll den nötigen Durchhaltewillen stärken – wenn da nur nicht dieser eine Freund wäre, der im Januar noch seinen Geburtstag feiern muss. Aber Kopf hoch: Jedes Glas weniger ist ein Erfolg und der Januar nur ein symbolisches Ziel.


Die Schweiz weist europaweit einen der höchsten Raucheranteile in der Bevölkerung auf. (Illustration: Bureau Château)

Rauchstopp

Feierlich werfen Sie in der Nacht zum 1. Januar die Kippe in die Feuerschale und schwören sich, dass es Ihre letzte war. Der kratzige Hals und der rasselnde Atem am Morgen danach bestärken Sie in Ihrer Entscheidung. Doch schon kurz nach dem Mittagessen meldet sich das Verlangen wieder zurück und mit ihm das schlechte Gewissen. Ihre Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, ist richtig. Wahrscheinlich ist die Neujahresparty einfach der falsche Moment, um sie zu treffen. Die Lungenliga rät dazu, den Rauchstopp sorgfältig zu planen und sich dabei beraten zu lassen. Und auch hier gilt: Rückschläge gehören dazu.


Auf dem Weg vom Sportmuffel zum Fitnessfreak geben die meisten früh auf. (Illustration: Bureau Château)

Mehr Sport

Nach ein paar Tagen, die Sie hauptsächlich am Esstisch verbracht haben, fühlt sich die Entscheidung glasklar an: Sie wollen nächstes Jahr (wieder) Sport treiben. Und weil Sie sich so sicher sind, kaufen Sie sich gleich ein Jahresabo in einem Fitnessstudio. Nach dem zweiten Besuch im Fitnessstudio ist für Sie aber ebenso glasklar: Ist nicht so Ihr Ding. Das ist völlig in Ordnung. Wahrscheinlich würden Fitnessstudios ohne diese Art der Subventionierung gar nicht funktionieren. Sie leisten somit einen Beitrag an die Gesundheitsförderung der anderen. Vielen Dank.


Leere Kirchenbänke gehören an den Sonntagsgottesdiensten zur Norm. (Illustration: Bureau Château)

Wieder einmal den Gottesdienst besuchen

Wer kennt es nicht? Durch den Beginn eines neuen Jahres an die Endlichkeit des Lebens erinnert, fassen Sie den Beschluss, wieder einmal einen Gottesdienst zu besuchen. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache. An kaum einem anderen Vorsatz scheitern die Menschen in der Schweiz häufiger als am Gang in die Kirche. Eine Studie von Religionssoziologen zeigte jüngst, dass der Anteil der Bevölkerung, der regelmässig einen Gottesdienst oder eine Zeremonie besucht, in den letzten fünfzehn Jahren von 11,6 auf 9,5 Prozent gesunken ist. Ein Perspektivenwechsel kann helfen: Vielleicht liegt das Problem weniger bei Ihnen als bei der Gestaltung der Gottesdienste – und daran, dass Sonntagmorgen ist. Viele Kirchgemeinden haben das Problem erkannt und ihrerseits mit einem Vorsatz darauf reagiert: Sie wollen wieder stärker auf die Menschen zugehen. Sie können also guten Gewissens abwarten.

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