Gleichberechtigung

Neuapostolische Kirche ordiniert Frauen

Ab 2023 können Frauen in der Neuapostolischen Kirche zu Diakoninnen, Priesterinnen oder Apostelinnen berufen werden. Es gebe keine lehrmässige Begründung, warum Frauen dies nicht möglich sein soll.

Bislang konnten in der 160-jährigen Geschichte der Neuapostolischen Kirche nur Männer ordiniert werden. Das soll sich nun ändern: Ab 2023 will die Kirche auch Frauen in geistliche Ämter berufen, wie sie in einer Medienmitteilung vom 20. September festhält. Auch Führungsaufgaben auf allen Ebenen sollen Frauen übernehmen können.

Der internationale Kirchenleiter, Jean-Luc Schneider, liess in einer Videoansprache verlauten, dass der Ausschluss von Frauen bisher «nicht umfassend lehrmässig begründet» worden sei. Es habe sich deshalb die Frage gestellt, ob diese «traditionelle Beschränkung» haltbar sei.

Gleichberechtigt vor Gott

Diese theologische Frage könne aber nicht mit gesellschaftlichen Debatten oder staatlichen Verfassungen beantwortet werden, sondern nur mit der Bibel. Drei Jahre beriet das oberste Beschlussorgan der Kirche darüber und kam nun zum Schluss, dass Mann und Frau vor Gott gleichberechtigt seien. «Es gibt keine zwingenden Gründe, Unterschiede zu machen, nicht bei Jesus Christus, nicht in der Apostellehre, nicht in der neuapostolischen Tradition.»

Deshalb habe die Leitung entschieden, Frauen «aufgrund der Gleichwertigkeit und Gleichwürdigkeit der Geschlechter» mit der Amtsvollmacht zu betrauen. Jean-Luc Schneider sprach von einem «bedeutenden Übergang» für die Kirche. Die neue Regelung tritt auf den 1. Januar 2023 in Kraft. Eine Frauenquote soll es aber keine geben, da Gott in das Amt berufe und nicht der Mensch.

Neun Millionen Gläubige

Die Neuapostolische Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland gegründet. Sie ist weltweit tätig und zählt laut eigenen Angaben mehr als neun Millionen Gläubige in rund 200 Ländern. Die Kirche finanziert sich aus freiwilligen Spenden. In der Schweiz ist sie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK). (mos)