Genf

Muslimische Spitalseelsorge soll professionalisiert werden

Eine Studie der Universität Freiburg hat die muslimische Spitalseelsorge untersucht. Die Autorinnen fordern professionelle Strukturen.

Die muslimische Spitalseelsorge in Genf funktioniert seit Jahren dank freiwilligem Engagement. Eine neue Studie der Universität Freiburg zeigt nun, dass ihre Arbeit für Patientinnen, Angehörige und Spitäler unverzichtbar geworden ist. Laut einer Mitteilung rufen sie dazu auf, sie zu einem anerkannten Beruf zu machen.

Die Untersuchung mit dem Titel «Faire de l’aumônerie musulmane un métier» – «Die muslimische Seelsorge zum Beruf machen» – stammt von Mallory Schneuwly Purdie und Claire Robinson vom Schweizerischen Zentrum Islam und Gesellschaft (CSIS) an der Universität Freiburg.

Die beiden Religions- und Sozialwissenschaftlerinnen analysierten zwischen Juli 2024 und Februar 2025 die Arbeit der muslimischen Seelsorge Genf (AMG) in den Genfer Universitätsspitälern – unter anderem auf Intensivstationen für Kinder und Erwachsene, in der Neonatologie und in der Zusammenarbeit mit Palliativmedizinern.

Die Wissenschaftlerinnen führten 31 Interviews mit Seelsorgenden, Pflegepersonal und Spitalverantwortlichen, analysierten interne Dokumente und beobachteten die Arbeit der Spitalseelsorge vor Ort. Zwei muslimische Seelsorgende führten zudem ein Tagebuch, das ihre Einsätze im November 2024 dokumentiert.

Die Ergebnisse zeigen laut der Studie, wie die muslimische Seelsorge Brücken schlägt zwischen Patientinnen, Angehörigen und Pflegeteams. Sie vermittle in kulturellen und religiösen Fragen und trage dazu bei, dass spirituelle Bedürfnisse in der Behandlung ernst genommen werden.

Die muslimischen Seelsorger würden ehrenamtlich arbeiten, heisst es in der Studie. Deshalb fordern die Forschenden eine Professionalisierung der muslimischen Spitalseelsorge: mit Ausbildungsstrukturen, institutioneller Anerkennung und fairer Entlöhnung, vergleichbar mit den christlichen Seelsorgediensten. (dst)

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