Kirchenmusik

«Musik muss aufrütteln» 

Helmuth Rilling ist wie kaum ein zweiter Dirigent mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach verknüpft. Am Pfingstmontag wird der Kirchenmusiker und Bach-Experte 90 Jahre alt.

Helmuth Rilling steckt die Menschen an mit seiner Musikbegeisterung. «Musik muss aufrütteln», sagt der Kirchenmusiker und Gründer der Internationalen Bachakademie. «Ich möchte die Zuhörer in mein Nachdenken über die Musik einbeziehen».

Als Interpret Bachs ist Rilling weltbekannt. Der Stuttgarter hat Bachs Gesamtwerk auf 172 CDs eingespielt. Am 29. Mai wird Rilling 90 Jahre alt.

Der Chorleiter, Musikpädagoge und Bach-Interpret Helmuth Rilling 2017 während einer Probe in Stuttgart. (Bild: Keystone)

Rilling hat sich stets für Frieden und Verständigung eingesetzt. Dieses Engagement spiegelt sich in seinen Auszeichnungen wider: Neben musikalischen Ehrungen wie dem Grammy Award (2001) für die beste Chordarbietung und dem Preis der Europäischen Kirchenmusik (2008), dem Herbert von Karajan-Musikpreis und dem Echo sind darunter der Theodor-Heuss-Preis für bürgerschaftliches Engagement und das Grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Der internationale Musikpreis der Unesco (1994) ging an die 1981 von Rilling gegründete Internationale Bachakademie, die sich dem Werk Johann Sebastian Bachs mit Meisterkursen für Sänger und Dirigenten, Tagungen und Konzerten widmet.

«Selbstverständlich», sagte Rilling, habe er sich über alle Auszeichnungen gefreut. Wenn er aber eine herausgreifen solle, dann sei es die Ehrendoktorwürde, die er 1985 von der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen erhielt.

Damals würdigte ihn der Theologieprofessor Dietrich Rössler in seiner Laudatio als «Musiker, dem die evangelische Kirchenmusik eine neue Gestalt verdankt». Rilling verstehe die evangelische Kirchenmusik zugleich als musikalische und als theologische Aufgabe. Im vergangenen Jahr wurde Rilling mit der Martin-Luther-Medaille der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geehrt.

Niemand müsse zwangsläufig Christ sein, wenn er seinen Lieblingskomponisten Bach interpretiere, sagt Rilling. Aber er müsse wissen, was die Texte sagen wollten, die das Evangelium verkünden. Überhaupt könne nur der wirklich musizieren, der mit dem Kopf dabei sei. «Töne spielen» reiche nicht aus. (epd/ hz)