Katholische Kirche in Deutschland
Mehr Missbrauchsfälle als bisher bekannt
Das tatsächliche Ausmass sexualisierter Gewalt in der Katholischen Kirche in Deutschland ist grösser als bislang bekannt. Das berichtet der Sender Deutschlandfunk mit Verweis auf eine Recherche des ARD-Magazins «Fakt». Demnach gibt es in Deutschland nachweislich 6948 Betroffene. Eine Zahl in dieser Grössenordnung sei bisher öffentlich nicht genannt worden, hiess es. Die Recherche basiert auf Rückmeldungen aller katholischen Bistümer auf eine ARD-Umfrage.
Zum Vergleich: In einer Studie von 2018 waren 3677 betroffene Kinder und Jugendliche sowie 1670 mutmassliche Täter identifiziert worden. Die Untersuchung hatte auf der Auswertung von rund 38’000 Personalakten von Klerikern aus den Jahren 1946 bis 2014 beruht.
Nach Angaben der Bistümer wurden zahlreiche Betroffene finanziell entschädigt. In 77 Fällen seien Zahlungen von jeweils 100’000 Euro erfolgt, in 14 Fällen bis zu 300’000 Euro. Die Kirche orientiere sich dabei an staatlichen Schmerzensgeldtabellen.
Die Betroffeneninitiative «Eckiger Tisch» kritisierte jedoch, die Aufarbeitung sei weiterhin unzureichend. Viele Betroffene hätten bislang keine angemessene Anerkennung ihres Leids erhalten.
Öffentlich bekannt wurde der Missbrauchsskandal im Januar 2010, als zahlreiche Fälle am Berliner Canisius-Kolleg publik wurden. In der Folge kamen weitere Fälle aus kirchlichen und auch aus anderen Einrichtungen ans Licht. (hz)