Lettland schafft Frauenordination ab

Frauen können in der lutherischen Kirche Lettlands nicht mehr Pfarrerinnen werden. Die Synode der Kirche beschloss in Riga die Abschaffung der Frauenordination, die dort vor vier Jahrzehnten eingeführt, aber schon seit 1993 nicht mehr praktiziert worden war. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bedauerte die Entscheidung.

Hat seit seiner Einsetzung als Erzbischof 1993 keine Frauen mehr ordiniert: der lutherische Erzbischof Janis Vanags. (Bild: Maliepa/Wikimedia)

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dem evangelischen Pressedienst (epd) am Wochenende, die grösste Leidtragende dieses Beschlusses sei die lettische Kirche selbst, «weil sie sich eines grossen Reichtums der Frauen mit ihren Erfahrungen beraubt». Die EKD habe «wunderbare Erfahrungen» mit Frauen im Pfarramt gemacht und wolle diese nicht mehr missen, sagte der bayerische Landesbischof.

Die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler von der lutherischen Kirche in Bayern schrieb zur Entscheidung der lettischen Lutheraner auf ihrer Facebook-Seite: «Das ist ja wohl die Höhe! Zurück ins Mittelalter oder was? Wo bleibt unser Proteststurm?»

Die Synode der Kirche hatte die Frauenordination am Freitag mit einer Dreiviertel-Mehrheit abgeschafft. Die Beschränkung der Ordination auf Männer war mit einer Verfassungsänderung verbunden, für die eine Dreiviertel-Mehrheit nötig war.

In Lettland wurden Pfarrerinnen erstmals 1975 zugelassen. Damals war das kleine Land an der Ostsee noch eine Teilrepublik der Sowjetunion. Doch Janis Vanags, konservatives Oberhaupt der Religionsgemeinschaft, hat seit seiner Einsetzung als Erzbischof 1993 keine Frauen mehr ordiniert. Diese faktische Verweigerung der Frauenordination wurde nun auch in der Kirchenverfassung festgelegt. (epd)