Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Was verbindet Christinnen trotz unterschiedlichen Lebenssituationen und wie wurde aus dem Sonntag ein Ruhetag? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Vom Sabbat zum Sonntag

Für die ersten Christen war der Sonntag kein Ruhetag. Wie die Juden gingen sie am Samstag in die Synagoge, an dem siebten Tag der Woche und dem in den Zehn Geboten festgelegten Ruhetag. Erst im zweiten Jahrhundert trafen sich immer mehr Christen zusätzlich in den ersten Morgenstunden des Sonntags, bevor sie ihrem Tagwerk nachgingen. In diesen kurzen Treffen brachen sie Brot und feierten die Auferstehung Christi. Diese These entfaltet Justo L. González, emeritierter Professor für Kirchengeschichte, zu Beginn seines Buches Eine kurze Geschichte des Sonntags.

Gut zugänglich beschreibt González die komplexe Entwicklung dieses Tages von den Anfängen der Christenheit bis in die Gegenwart. So erfährt der Leser, wie der Sonntag erst im Laufe der Geschichte eng mit der Sabbatruhe verknüpft wurde, wie die Reformatoren ihn heiligten oder wie er sich durch die Kolonialisierung auch in Ländern durchsetzte, in denen die Christen eine verschwindend kleine Minderheit sind.

Auch wenn der Sonntag heute weitgehend säkularisiert ist, geht die Debatte um seine Bedeutung und die Ruhegesetze weiter. González’ Buch ist ein beachtenswerter, unpolemischer Beitrag zu dieser Diskussion.

Justo L. Ganzález: Eine kurze Geschichte des Sonntags. Vom Urchristentum bis heute. Claudius, München 2017; 240 Seiten; 28.90 Franken.


Die Essenz des Christseins

Was Christinnen trotz unterschiedlichen Lebenssituationen verbindet, fragt Christian Grethlein in seinem jüngsten Buch Christsein als Lebensform. Für ihn steht fest: Es ist notwendig zu bestimmen, was Christsein genau bedeutet. Dies gelte umso mehr angesichts einer wachsenden Vielfalt der Einstellungen von Kirchen- und Nichtkirchenmitgliedern sowie der zunehmenden Präsenz von Menschen anderer Kulturen und Religionen.

Der Münsteraner Professor hat sich vorgenommen, die Praktische Theologie entlang des Leitbegriffes «Kommunikation des Evangeliums» neu zu ordnen. Entsprechend untersucht er, wo sich im Leben von Menschen Gemeinsamkeiten bezüglich dieses Aspekts finden lassen. Damit einher geht die Ausweitung des Kommunikationsverständnisses: Grethlein bleibt nicht beim Wort stehen, sondern schlägt Brücken zu einer multimodalen Kommunikation, also einer Kommunikation basierend auf textlichen, auditiven oder visuellen Ressourcen. Dadurch enthält das Buch Impulse für alle Felder kirchlichen Lebens.

Das Ansinnen, Christsein klar zu definieren, mag irritieren. Aus reformierter Perspektive melden sich Vorbehalte gegenüber einer derartigen Deutungshoheit. Auch lässt der Ansatz zu wenig Spielraum für nuancierte Deutungen. Dennoch lohnt die Lektüre: Angesichts gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche bieten Grethleins Ausführungen bedenkenswerte Anstösse.

Christian Grethlein: Christsein als Lebensform. Eine Studie zur Grundlegung der Praktischen Theologie. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018; 253 Seiten; 41.70 Franken.


Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.