Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie dramatisch war die Hexenverfolgungen im Mittelalter wirklich? Und warum übt die Johannesoffenbarung bis heute eine so grosse Faszination aus? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Schale Wahrheiten

Das Ansinnen von Manfred Lütz ist durchaus nobel. Mit seinem Buch Der Skandal der Skandale will der Arzt und Theologe aufräumen mit den Falschinformationen, die «das Christentum in seinem Kern nachhaltig erschüttert und absolut unglaubwürdig gemacht» haben. Dabei bedient er sich überwiegend der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Historikers Arnold Angenendt und dessen Buchs Toleranz und Gewalt – das Christentum zwischen Bibel und Schwert.

Entstanden ist ein flüssig zu lesendes Buch, das vieles richtig macht und nicht weniges richtigstellt. So sei etwa die Hexen- und Ketzerverfolgung im Mittelalter weitaus weniger dramatisch gewesen, als es gerne dargestellt wird, und den Greueln der Kreuzzüge lägen längst nicht nur religiöse Motive zugrunde. Dennoch drängt sich bei der Lektüre immer wieder das Gefühl auf, mit dem Buch eine Apologie der Kirche vor sich zu haben.

Der hohe Anspruch des Autors, endlich die Wahrheit über das Christentum vorzulegen, erhält damit einen schalen Beigeschmack. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, dass Lütz sprachlich mit grosser Kelle anrührt und ihm gleichzeitig der eine oder andere sachliche Fehler unterläuft. Spannend ist das Werk für den kritischen Leser aber allemal.

Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums. Herder, Freiburg im Breisgau 2018; 286 Seiten; 34.90 Franken.

Der Rezensent Tobias Zehnder ist Redaktor bei bref.


Offenbarer Widerstand und Trostspender

Biblische Texte sind in der Regel alles andere als süffig zu lesen, der sperrige Stil schreckt manchen Interessierten ab. Umso erstaunlicher, dass gerade von der Offenbarung, dem Buch mit den wortwörtlichen sieben Siegeln, eine besondere Faszination ausgeht.

Mit «Die Johannesoffenbarung heute lesen» unternimmt der Theologe Michael Heymel den Versuch, diese Siegel auch für Menschen ohne Theologiestudium zu brechen. Der Autor beschreibt ein Werk, das sich vor allem als Trostbuch verstanden wissen will. So habe Johannes mit seinen Zeilen «verfolgte und unterdrückte Christen zum geistlichen Widerstand ermutigt» und Visionen skizziert, worauf die Christen trotz ihrer Not hoffen können.

Die Idee einer christlichen Untergrundliteratur unterlegt der Autor mit sechs Beispielen. Heymel bespricht aber nicht allein die damalige Situation der Gemeinden, sondern betrachtet die Offenbarung nach allen Regeln der Auslegungskunst. Die Wirkungsgeschichte gerät dabei ebenso in den Blick wie die literarische Analyse. Ob die sieben Siegel dabei wirklich für alle Leser gebrochen werden, bleibt fraglich. Dennoch ist es beeindruckend, welcher Rundumblick Heymel auf so wenigen Seiten gelungen ist.

Michael Heymel: Die Johannesoffenbarung heute lesen. TVZ, Zürich 2018; 138 Seiten; 18 Franken.

Der Rezensent Tobias Zehnder ist Redaktor bei bref.

Die Tipps sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.