Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Sind kirchliche Feste noch relevant? Und: Was ist so toll am Fatalismus? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Wie die Feste fallen

Ursprung und genaue Bedeutung kirchlicher Feste geraten zunehmend in Vergessenheit. Dennoch ist bei vielen Menschen noch immer ein Bewusstsein dafür vorhanden, dass etwa Weihnachten oder Ostern durchaus einen Sinn haben und bis heute den Kalender strukturieren. Zu diesem Schluss kommen die beiden Herausgeber des Bandes «In deiner Hand meine Zeiten …», Matthias Zeindler und David Plüss. Die Kapitel ordnen sie denn auch entlang dem Kirchenjahr und spannen so einen Bogen von Advent bis zum Ewigkeitssonntag.

Die meisten Beiträge im Buch gehen auf Vorträge im Rahmen einer Ringvorlesung im Frühling 2014 an der Universität Bern zurück. Sie wollen Ursprung und Gehalt der kirchlichen Feste in Erinnerung rufen, ihre gegenwärtige Relevanz untersuchen und sie auch gegenüber einer reformiert geprägten theologischen und konfessionellen Tradition plausibilisieren. Um die lange vorherrschende Distanziertheit der Reformierten gegenüber dem Festzyklus zu verstehen, helfen die Ausführungen zu den Reformatoren. Allen voran Zwingli und Calvin grenzten sich gegenüber der herkömmlichen kirchlichen Festtagspraxis und dem liturgischen Kalender kritisch ab und pflegten in ihrer Predigtpraxis die «lectio continua», die fortlaufende Textauslegung.

Der Band richtet sich an ein theologisches Fachpublikum. Dabei bietet er viele Einsichten und Anregungen – auch zur Frage, wie kirchliche Feste denn heute angemessen gefeiert werden können.

Matthias Zeindler, David Plüss (Hg.): «In deiner Hand meine Zeiten …». Das Kirchenjahr — reformierte Perspektiven, ökumenische Akzente. Reihe reformiert!, Band 4. TVZ, Zürich 2018; 316 Seiten; 38 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.


Entspannt euch!

Schicksal. Es ist wie es ist. Was hilft jammern. Lass kommen, was kommen muss. Diese Lebenshaltung lehnen kirchliche und aufgeklärte Kreise oft ab. Einmischung gegen alles Unrecht sowie die Welt- und Selbstverbesserung werden hier gepriesen. Nun schreibt Matthias Drobinski, Germanist, katholischer Theologe und Journalist, ein Lob des Fatalismus, der Schicksalsergebenheit. Die wichtigsten Dinge im Leben, davon geht Drobinksi aus, treffen uns von aussen, Geborensein, Familie, Liebe, Krankheit, Trennung, Alter, Tod. Vieles ängstigt uns existenziell. Wenn wir aber annehmen können, was ist und was kommt, schafft uns das eine innere Distanz und Freiheit im Jetzt – eine Kraft, auch mit Unsicherheiten zu leben und für das Recht einzustehen, ohne uns krankhaft zu überfordern.

Fatalismus ist so gesehen «eine Gegenmacht gegen alle, die die Welt im Griff haben wollen und jede Unsicherheit im Keim ersticken wollen», gegen eine «gnadenlose Selbstoptimierungsindustrie» – ist Gelassenheit und damit Gottvertrauen. Woher diese Gabe nun kommen kann: gerne würde man als Leser mehr darüber erfahren. Trotz diesem kleinen Makel ist Drobinskis kurzes Essay aber leicht und anregend zu lesen, vor allem für Leute, die sich vertieft mit ihrem Schicksal und ihrer Lebenshaltung auseinandersetzen.

Matthias Drobinski: Lob des Fatalismus. Claudius, München 2018; 132 Seiten; 21.90 Franken.

Der Rezensent Conradin Conzetti ist Theologe und freier Autor in Bern.