Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Warum schenken Medien einem Populisten wie Trump so viel Beachtung? Wie ist es in einem Pfarrhaus aufzuwachsen? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Gutmensch ohne moralische Ansage

«Gutmensch» war das Unwort des Jahres 2015 und wurde polemisch gegen hilfsbereite Menschen eingesetzt. Wie konnte es so weit kommen, fragt die Philosophin Hilal Sezgin in ihrem Buch Nichtstun ist keine Lösung. Dabei greift sie in ihrer Analyse auf persönliche Erlebnisse zurück und durchforstet die Paradoxien moderner Moralansprüche. Um Gutes zu tun, so die Autorin, brauche es keine moralischen Ansagen, die mit «müssen» und «sollen» operieren. Sezgins Buch ist ein lesenswertes Plädoyer für politische Verantwortung, das nicht auf die Errichtung von Mauern mit moralischer Mindesthöhe zielt, sondern auf eine Ethik der Verbundenheit.

Hilal Sezgin: Nichtstun ist keine Lösung. Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs. DuMont-Verlag, Köln 2017; 160 Seiten; 19.50 Franken.


Leichte Beute für Populisten

Kaum jemand, der von Donald Trumps Tabuverletzungen und Ausfällen gegen Frauen oder Latinos im amerikanischen Wahlkampf nichts weiss. Von den Medien erhielt er dafür maximale Beachtung. Der Publizist Matthias Zehnder zeigt in seinem neusten Buch, warum die Medien in diese Falle getappt sind. Sie würden, um im gigantischen Informationsangebot nicht unterzugehen, geradezu um Aufmerksamkeit kämpfen, was zu einer starken Emotionalisierung, Skandalisierung und Personalisierung der Inhalte führt. Was diese Entwicklung für die Bildung der öffentlichen Meinung bedeutet und welche Lehren die Medien aus der Wahl Trumps ziehen können, legt der Autor anschaulich dar.

Matthias Zehnder: Die Aufmerksamkeitsfalle. Wie die Medien zu Populismus führen. Zytglogge-Verlag, Basel 2017; 125 Seiten; 24 Franken.


Das Bilderverbot neu sehen

Bild und Bibel waren die beiden zentralen Kommunikationsmedien der Reformation. Zwar war die Reformation immer auch kritisch im Umgang mit Bildern. Das (innerliche) Hören auf Gottes Wort galt als heilsamer denn das (äusserliche) Sehen. Zugleich wurde das Visuelle zur Verbreitung des evangelischen Glaubens massiv genutzt. Jan Hermelink und David Plüss spitzen nun die religiöse Frage nach dem Bild in ihrer Neuerscheinung Predigende Bilder homiletisch-kritisch zu. Mit Beiträgen von Kunst- und Kirchenhistorikern, Künstlerinnen und Theologen erkunden sie die prägende und bewegende Kraft der Bilder.

Jan Hermelink, David Plüss (Hg.): Predigende Bilder. Was die Homiletik von Kunstwerken lernen kann. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2017; 136 Seiten; 33.90 Franken.


Der Sohn vom Pfarrer

Die Radiomoderatorin Regi Sager, der Publizist Peter Rothenbühler oder der TV-Mann und Musiker Heinrich Müller haben eines gemeinsam: sie alle sind in einem reformierten Pfarrhaus aufgewachsen. In seinem Buch Pfaffkids porträtiert Matthias A. Weiss, selber Pfarrerssohn, 21 zum Teil bekannte Persönlichkeiten. Dabei erzählen sie, wie sie das elterliche Pfarrhaus, den Beruf zumeist des Vaters und die Rollenverteilung der Eltern erlebt haben oder wie ihre Herkunft sie geprägt hat. Man muss selber kein Kind einer Pfarrerin oder eines Pfarrers sein, um gerne in diese Lebensgeschichten einzutauchen.

Matthias A. Weiss, Florian Moritz: Pfaffkids. 21 Persönlichkeiten aus dem Pfarrhaus. Hokairos, Richterswil 2017; 244 Seiten; 41.50 Franken. 


Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.