Kopftuch-Debatte

Lehrerin fühlt sich diskriminiert

Eltern haben in der Gemeinde Eschenbach SG die Anstellung einer Lehrerin verhindert, weil sie ein Kopftuch trägt. Dies empfindet die Studienabgängerin als diskriminierend.

Ihr bereits als Mädchen gehegter Traum, dereinst als Lehrerin selber vor einer Klasse zu stehen, platzte vorerst. Die Gemeinde Eschenbach entschied sich nach dem Widerstand von Eltern, ein bereits vereinbartes Anstellungsverhältnis mit der jungen Lehrerin doch nicht einzugehen.

«Mir war klar, dass es sich kaum lohnt, mich dagegen zu wehren», erklärte die Frau im anonym gehaltenen Interview mit der Linth-Zeitung. Nebst der Ablehnung habe sie in den letzten Tagen aber auch Telefonate von Eltern erhalten, welche den Entscheid nicht nachvollziehen könnten. Leid täten ihr vor allem die Kinder, die nun am 11. August in einem Schulzimmer ohne Lehrperson sitzen würden.

Kolleginnen unterrichten mit Kopftuch

Es sei nicht so, dass Unterrichten mit einem Kopftuch per se nicht geht. «Ich habe Kolleginnen, die mit Kopftuch unterrichten.» Auch sei sie während ihres Praktikums im Thurgau mit dem Kopftuch vor der Klasse gestanden. «Meiner Meinung nach sollten wir gesellschaftlich so weit sein, dass Vielfalt als etwas Positives wahrgenommen wird.»

Sie gebe nicht auf, erklärte die Muslima im Interview weiter, schreibe derzeit Bewerbungen. «Ich habe mich auch bereits im Kanton Zürich beworben – im Wissen, dass sie gesellschaftlich wohl weiter sind.»

SVP fordert Verbot

Aufgrund dieses Falles fordert die SVP des Kantons St. Gallen ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen. Eine entsprechende Motion soll nach den Sommerferien im Kantonsrat eingereicht werden (ref.ch berichtete).

Die SP wehrte sich als erste Partei dagegen. Ein selektives Verbot, das sich nur gegen muslimische Frauen richte, verstosse gegen das Diskriminierungsverbot und die verfassungsrechtlich geschützte Glaubensfreiheit, schrieb sie in einer Stellungnahme. (sda/ no)

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