König Charles erhält Splitter des Jesus-Kreuzes
Am 6. Mai wird König Charles im Westminster Abbey gekrönt. Von Papst Franziskus erhält Charles, der auch Oberhaupt der Anglikanischen Kirche ist, ein besonderes Präsent: Der Pontifex schenkt ihm zwei Splitter des Heiligen Kreuzes, an dem der Bibel zufolge einst Jesus gekreuzigt wurde. Die Fragmente sind einen Zentimeter beziehungsweise fünf Millimeter klein und wurden in das Kreuz von Wales eingearbeitet, das bei der Zeremonie die Krönungsprozession anführen soll.
Obwohl Charles angekündigt hat, die Zeremonie schlichter und moderner gestalten zu wollen als manche historische Krönung, gebietet die Tradition ein gewisses Mass an Prunk: So kommen bei der Zeremonie und der anschliessenden Parade diverse symbolträchtige royale Insignien zum Einsatz – darunter fünf Schwerter, die verschiedene Aufgaben des Monarchen symbolisieren, der Ring des Souveräns, spezielle Armbänder und natürlich die Kronen.
Die Gegner der Monarchie erhalten Zulauf
Die Krönung ruft auch die Republikaner auf den Plan. Sie wollen ihre Ablehnung der Monarchie während des Anlasses zum Ausdruck bringen. «Es wird die grösste Protestaktion sein, die wir je gemacht haben – aber nicht die letzte», kündigte Graham Smith, der Chef der Anti-Monarchie-Organisation Republic, in der britischen Zeitung «The Times» an. Bislang haben demnach mehr als 1350 Menschen für den Protest am 6. Mai zugesagt.
Während der Krönungsparade von Charles (74) und seiner Frau Camilla (75) will die Gruppe am Trafalgar Square sowie entlang der Prozessionsroute mit gelben Plakaten sichtbar sein und mit «Not my King»-Rufen (deutsch: «Nicht mein König») auf sich aufmerksam machen.
Störaktionen seien aber keine geplant. Diese wären für ihr Anliegen kaum hilfreich, so Smith. «Wir wollen auffallen und klarmachen, dass es eine republikanische Bewegung gibt und wir keine Nation von Royalisten sind. Wir haben Megafone und einen Verstärker. Wir sollten nicht zu überhören sein.»
Nach eigenen Angaben hat Republic nach dem Tod von Queen Elizabeth II. im vergangenen Jahr deutlich mehr Spenden bekommen als zuvor. Dem «Times»-Bericht zufolge erhielt die Gruppe 2020 über 100'000 Pfund (knapp 120'000 Franken) an Spenden – 2022 waren es mit knapp 290'000 Pfund mehr als doppelt so viele Spenden.
Krönung auf Kosten der Steuerzahler
Der Zuspruch könnte auch damit zu tun haben, dass ein grosser Teil der Britinnen und Briten es ablehnt, für die Krönung zahlen zu müssen: In einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov gab eine Mehrheit der Befragten an, der Staat solle nicht für das Ereignis aufkommen müssen.
Tatsächlich wird die Krönung von Charles und Camilla von den Steuerzahlern finanziert – die genaue Summe wird jedoch voraussichtlich erst im Nachhinein bekannt. Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge könnte das Ereignis Schätzungen zufolge 50 bis 100 Millionen Pfund kosten.
Die Krönung von Queen Elizabeth II. 1953 kostete der Nachrichtenagentur PA zufolge rund 910'000 Pfund. Das würde nach heutigen Massstäben Kosten von 20,5 Millionen Pfund entsprechen. (sda/ pef)