Kritik an geplanten Mieten der Stadtzürcher Kirchgemeinden

Das Immobilienleitbild der reformierten Stadtzürcher wird von vielen Seiten kritisiert. Der Stadtverband will es nochmal überdenken, betont aber, dass Marktmieten auch sozial verträglich sein können.

Die Zürcher Zentralkirchenpflege soll sein Immobilien-Leitbild ändern, fordern Kritiker aus Kirche und Politik. (Bild: Wikimedia/Ikiwaner/ccbysa3.0)

Die Zentralkirchenpflege (ZKP) der reformierten Stadtzürcher Kirchgemeinden will ihr Immobilienleitbild nochmals überdenken. Dies schreibt sie in einer Mitteilung vom 29. März. Die ZKP reagiert damit auf die Kritik, die sowohl innerhalb der Kirche als auch auf politischer Ebene laut geworden war.

Nicht nur diskutieren

«Dass nun innerhalb einer Kommission nochmals über das Leitbild diskutiert wird, ist schon mal positiv », sagt der Aussersihler Kirchenpflegepräsident Hannes Lindenmeyer, einer der schärfsten Kritiker des Leitbildes. Es sei zu hoffen, dass in Zukunft von der ausschliesslichen Orientierung an Marktmieten für die Liegenschaften im Finanzvermögen abgesehen werde.

«Die Pfarrhäuser sind natürlich attraktive Immobilien. Das heisst aber nicht, dass dort nicht etwa auch Flüchtlinge wohnen können.» Sollte das Leitbild nicht abgeändert werden, stünden in der zukünftigen Kirchgemeinde Zürich demokratische Mittel wie Referendum oder Initiative zur Verfügung, sagt Lindenmeyer.

Grüne Forderungen

Nicht besänftigt durch die Ankündigung der ZKP ist Balz Bürgisser, Gemeinderat der Grünen der Stadt Zürich. Er hat ein Postulat zur Immobilienstrategie der reformierten Kirche eingereicht. «Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet die Kirche bei den Mieten eine Gewinnmaximierung anstrebt», sagt er. «Wir fordern, dass mindestens bei einem Drittel der Anlage-Immobilien lediglich eine kostendeckende Miete verlangt wird.» In der Gemeindeordnung stehe, dass die Stadt Zürich sich dafür einsetzt, den Anteil an preisgünstigen Wohnungen auf einen Drittel zu erhöhen. «Daran soll sich auch die Kirche halten», sagt Bürgisser.

«Kann ich nicht verstehen»

Irritiert von der Kritik am Leitbild ist Andreas Hurter, Vorstandspräsident des reformierten Stadtverbandes. «Dass uns Spekulation vorgeworfen wird, kann ich überhaupt nicht verstehen», sagt er. «Im Immobilienleitbild heisst es, dass wir uns am System der Marktmiete mit Augenmass und an den von der Kirche gelebten Werten orientieren. Damit ist nicht eine maximale Rendite gemeint.»

Marktzinsen können laut Hurter auch tief angesetzt und sozial verträglich sein. «Aber vielleicht müssen wir noch an unserem Wording feilen. Offenbar ist das Wort ‹Marktmiete› zu negativ konnotiert.» Zum Teil ganz auf Gewinn verzichten und lediglich Kostenmieten zu verlangen, findet Hurter dagegen falsch. «Mit den Mieteinnahmen können wir wiederum Geld für kirchliches Handeln einsetzen. »

Hurter wundert sich auch über das Postulat der Grünen. «Die Kirche ist Eigentümerin dieser Liegenschaften und nimmt als verantwortungsbewusste Institution ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr. Warum muss unsere Strategie im Gemeinderat Thema sein?» Lieber wolle man zuerst nochmals innerhalb der Kirche eine Diskussion über die Eckwerte der Immobilienentwicklung führen.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.