Russland

Moskauer Patriarch straft Priester von Nawalnys Totenmesse ab

Die russisch-orthodoxe Kirche hat Medienberichten zufolge den Priester Dmitri Safronow degradiert. Sein Vergehen war es, einen Gottesdienst für den toten Kremlkritiker Alexej Nawalny organisiert zu haben.

Dem russische Geistliche Dmitri Safronow darf für die nächsten drei Jahre keinen Gottesdienst mehr abhalten. Das berichteten mehrere russische Medien unter Berufung auf ein Dekret des Moskauer Patriarchen Kyrill. Safronow dürfe zudem keinen Segen mehr erteilen und weder Kutte noch Priesterkreuz tragen, heisst es.

Auch seine Stelle als Diakon in der Mariä-Schutz-Kirche habe er verloren. Er soll stattdessen als Psalmsänger in einer anderen Kirche Hilfsarbeiten für den dortigen Priester leisten. Anschliessend werde aufgrund seiner dortigen Beurteilung über sein weiteres Schicksal als Geistlicher entschieden, heisst es in dem Dekret.

Safronow hatte 40 Tage nach dem Tod Alexej Nawalnys an dessen Grab die Totenmesse gelesen. In der orthodoxen Kirche ist es üblich, der Verstorbenen am 3., 9. und 40. Tag nach ihrem Tod besonders zu gedenken. Nawalny, der als prominentester Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin galt, war im Februar in einem Straflager nördlich des Polarkreises ums Leben gekommen. Seine Anhänger sprechen von Mord.

Safronow hatte sich aus Sicht der russisch-orthodoxen Kirchenführung allerdings noch weitere Sachen zuschulden kommen lassen. So hatte er einen Brief von Klerikern an Putin unterschrieben mit der Forderung, den tagelang von den Behörden versteckten Leichnam Nawalnys an die Angehörigen herauszugeben.

Zudem hatte sich Safronow geweigert, ein Gebet für den Sieg im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu lesen, das die Moskauer Eparchie seit Herbst 2022 von allen ihr unterstehenden Kirchen fordert. Patriarch Kyrill gilt als treuer Unterstützer von Putin und Befürworter von dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine. (sda/ pef)