Grossbritannien
Verrat am Christentum? König Charles will nicht mehr «Verteidiger des Glaubens» sein
Der britische König nimmt in der anglikanischen Kirche traditionell eine wichtige Rolle ein: Er ist ihr weltliches Oberhaupt, der sogenannte «Supreme Governor of he Church of England».
Seit Jahrhunderten tragen die britischen Könige deshalb den Titel «Verteidiger des Glaubens». Damit verstehen sie sich als Schutzherren der anglikanischen Kirche und des christlichen Glaubens.
Eine Passage im jährlichen Rechenschaftsbericht macht nun jedoch deutlich, dass der aktuelle König Charles III. mit dieser Tradition bricht. An die Stelle der bisherigen Formulierung tritt die Bezeichnung: «Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation» (Protector of the space for faith within the multifaith nation).
Damit löste der britische Monarch heftige Kritik aus, wie verschiedene britische Medien berichteten. Besonders hart ging der frühere Ehrenkaplan von Queen Elizabeth II., Gavin Ashenden, mit dem König ins Gericht. In einem Beitrag auf der Plattform «Substack» bezeichnete Ashenden die Titeländerung als «Verrat an seinem Amt, an seinem christlichen Glauben und an dem seiner Untertanen.»
Weiter bezeichnete Ashenden die Vorstellung, «dass es viele Götter gibt und sie alle gleichwertig sind; dass man sich für einen beliebigen von ihnen oder für jede beliebige Kombination entscheiden kann», als einen Angriff «auf die Autorität Jesu» sowie als «gefährlich und feindselig gegenüber Christus, seiner Lehre und seinen Anhängern». Ashenden hatte vor einigen Jahren der anglikanischen Kirche den Rücken gekehrt und war zur katholischen Kirche konvertiert.
Auch das konservativ-evangelikale «Christian Institute» äusserte deutliche Kritik. Dessen Leiter erklärte in der britischen Zeitung «Guardian», das Christentum sei «Grundlage der Gesetze und Kultur der Nation» und nicht «irgendein multireligiöser Mischmasch».
Ganz überraschend kommt der Kurswechsel von Charles allerdings nicht. Bereits seit Jahren betonte er, er wolle ein «Verteidiger des Glaubens» in einem allgemeinen Sinn sein, nicht nur für die anglikanische Kirche. Bisher hatte Charles jedoch an der traditionellen Bezeichnung festgehalten. (no)