Kirchensteuer-Initiative: Winterthurs Kirchen befürchten Millionenausfall

Die reformierte und die katholische Kirche Winterthur schlagen Alarm: Wenn die kantonale Volksinitiative «weniger Steuern fürs Gewerbe» (Kirchensteuerinitiative) der Jungfreisinnigen angenommen wird, fehlen den Kirchgemeinden an der Töss 70 Prozent der Einnahmen für gemeinnützige Zwecke.


In der Industriestadt wären die Landeskirchen von einem Ja an der Urne am 18. Mai besonders stark betroffen, so wie in allen Städten und Gemeinden, wo sie einen Grossteil ihrer Einnahmen aus der Kirchensteuer der juristischen Personen beziehen.

In Zahlen ausgedrückt, bedeutete dies: Anstatt 13,4 Millionen Franken wären weniger als 4 Millionen Franken für Leistungen in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur und Liegenschaftenunterhalt übrig. Für religiöse Zwecke darf die Kirchensteuer der Unternehmen sowieso nicht verwendet werden. Hochgerechnet auf alle Steuereinnahmen der Kirchen, also auch jene von den Mitgliedern, würde immer noch ein Drittel fehlen.

Ein massives Sparprogramm und das Streichen von Leistungen wären unumgänglich, schreibt der reformierte Stadtverband in seinem Informationsblatt. Zum Teil müssten Staat und Gemeinden den grossen Einnahmenausfall kompensieren und selber neue Aufgaben übernehmen, die bisher von den Kirchen erfüllt wurden.

Umgekehrt beträgt der Anteil der Kirchensteuer an den gesamten Abgaben der Unternehmen in Winterthur nur rund 6 Prozent, kantonsweit sogar nur rund 4,5 Prozent (Zahlen von 2012).

Am 8. Mai um 20 Uhr findet im Kirchgemeindehaus Liebestrasse eine Podiumsdiskussion statt, an der Vertreter der Initianten sowie nationale und lokale Prominenz aus Politik und Kirche teilnehmen sollen.