«Keinen Franken dem Aggressor»: Politisch aufgeladene Demo in Bern
Rund 2000 Personen haben am Samstagnachmittag am Umzug für den Frieden durch die Berner Innenstadt teilgenommen. Unter dem Motto «Stand with Ukraine» zog die Menge von der Schützenmatte auf den Bundesplatz. Der Umzug verlief gemäss der Agentur Keystone/SDA friedlich und dauerte rund 45 Minuten.
Die Demonstrierenden forderten auf den Berner Strassen lauthals: «keinen Franken dem Aggressor». Die Schweiz müsse ihre Unterstützung für die Ukraine weiterführen oder sogar intensivieren. Zudem pochten sie auf eine wirksame Umsetzung der Sanktionen und eine aktive Friedenspolitik der Schweiz.
Die Kundgebung war im Vergleich zur Friedensdemonstration kurz nach Ausbruch des Krieges klein. Im März 2022 hatten gegen 20'000 Menschen demonstriert. Dafür war die Kundgebung, anders als der Umzug vor einem Jahr, mit konkreten politischen Forderungen verknüpft.
Unterstützung «verzehnfachen»
Auf dem Bundesplatz forderten Nationalrätinnen und ein Nationalrat, dass die Schweiz die Ukraine stärker unterstützt. «Die Schweiz muss die humanitäre Unterstützung enorm verstärken, und zwar verzehnfachen», sagte eta die Nationalrätin Natalie Imboden (Grüne/BE).
Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE) forderte unter anderem Hilfslieferungen in Kriegsgebiete und das Mittragen der Sanktionen. Für sie darf es in Zeiten der russischen Aggression keinen Sonderweg geben. SP-Nationalrat Cédric Wermuth (AG) versicherte den Ukrainerinnen und Ukrainern, dass sie nicht vergessen und weiterhin unterstützt werden.
Die Botschafterin der Ukraine in der Schweiz, Iryna Wenediktowa, hielt eine Rede auf englisch und ukrainisch. Sie sagte, dass die Ukraine jetzt Waffen brauche, die Lage an der Front sei entscheidend. Die grünliberale Nationalrätin Tiana Moser (ZH) nahm dazu Stellung und hielt in ihrer Ansprache fest, dass die Schweiz den Wiederexport von Rüstungsgütern ermöglichen müsse.
Ohne Beteiligung der Kirchen
Zur Friedenskundgebung hatte der ukrainische Verein der Schweiz zusammen mit der SP, den Grünen, der GLP, der Mitte sowie Gewerkschaften und verschiedenen Hilfsorganisationen aufgerufen.
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) beteiligte sich nicht aktiv an der Demonstration. Das Friedensgebet vom 24.2.2023 sei der Beitrag der christlichen Landeskirchen gewesen, um sich mit den Betroffenen von Krieg und Notlagen – auch an vielen anderen Orten dieser Welt – zu solidarisieren, schreibt Nicole Freimüller, Assistentin von EKS-Präsidentin Rita Famos, auf Anfrage. «Wir wollen ganz klar für den Frieden und die Solidarität mit allen Betroffenen von Kriegen einstehen.» Die Demo sei jedoch mit einem politischen Forderungskatalog untermauert, zu dem der EKS-Rat keine Position bezogen habe, so Freimüller. (sda/eba)