Katholische Frauen sollen Sakramente spenden dürfen

Eine neu lancierte Schweizer Initiative setzt sich dafür ein, dass Frauen in den sakramentalen Dienst der römisch-katholischen Kirche treten können. Das Wort «Weihe» sei dagegen bewusst ausgeklammert worden, sagt eine Mitgründerin.


Eine Gruppe von rund 25 Personen, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche einsetzen, hat die sogenannte Junia-Initiative lanciert. Darunter sind etwa Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr bei Zürich, die Theologin Jacqueline Straub oder Monika Hungerbühler von der Offenen Kirche Elisabethen in Basel.

In einer Medienmitteilung vom 4. Oktober ist von der «sakramentalen Sendung für Frauen*» die Rede. Der Begriff sei eine Wortschöpfung, erklärt Junia-Initiantin Charlotte Küng-Bless gegenüber kath.ch. Die Seelsorgerin aus der Region Rorschach fungiert als Ansprechperson für Frauen, die zur Sendung bereit sind, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Auch für Männer offen

«Mit der sakramentalen Sendung meinen wir die Erlaubnis und Beauftragung des Bischofs, die Sakramente feiern zu dürfen», sagt Küng-Bless. Diese Beauftragung soll an Personen gehen, die sich dazu berufen fühlen und die sich bewährt haben. Dabei ist jeweils von «Frauen*» die Rede, wobei der Stern für eine inklusive Sprache stehe. Küng-Bless erwähnt gegenüber kath.ch explizit, dass auch Männer genannt werden könnten.

Die Initiantinnen möchten damit das Spektrum derjenigen, die über die Befähigung von Frauen und Männern im kirchlichen Dienst urteilen, ausweiten. Konkret sollen Gläubige, Pfarreien oder Ordensgemeinschaften den zuständigen Ortsbischöfen Frauen und Männer vorschlagen, die sie aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeiten in der Kirche für geeignet halten, die Sakramente zu spenden. Die Liste mit diesen Namen soll am 17. Mai 2020, dem Gedenktag der Apostelin Junia, «in einem feierlichen Rahmen» Vertretern der Ordinariate übergeben werden.

«Dem Sakrament den Stachel nehmen»

«Wir klammern den Begriff ‹Weihe› bewusst aus», so Küng-Bless. Es gehe nicht darum, in den Priesterstand aufgenommen zu werden. «Wir wollen dem Sakrament den autoritären Stachel nehmen. Denn das Feiern von Sakramenten ist eigentlich Beziehungsarbeit.»

Dies erlebt die Theologin in ihrer täglichen Arbeit als Seelsorgerin: «Wenn ich in einer Familie eine Beerdigung, die kein Sakrament ist, gehalten habe, dann habe ich zu dieser Familie eine Beziehung aufgebaut. Nicht selten kommt später die Anfrage, ob ich ein Kind derselben Familie taufen würde.» Den Gläubigen immer wieder zu erklären, dass und weshalb sie dies nicht dürfe, erlebt sie als beschwerlich. «Die eigene Institution wirft mir Knüppel zwischen die Beine.»

Sieben unterstützende Stimmen nötig

Wer sich zu einer «sakramentalen Sendung» berufen fühlt, kann sich auf der Website der Junia-Initiative eintragen. Dies kann mit vollem Namen und Foto oder aber mit Pseudonym und Symbolbild geschehen. Andere können auf derselben Website ihre Unterstützung für diese Person eintragen. Um auf die Liste zu gelangen, die dem Ortsbischof vorgeschlagen wird, braucht eine Person mindestens sieben unterstützende Stimmen.

Bisher finden sich zwei Namen auf der Website, die auf diese Weise unterstützt werden können. Es sind dies Charlotte Küng-Bless selber sowie Jacqueline Straub, die seit Jahren mit grosser Medienpräsenz dafür kämpft, Priesterin werden zu können. Insgesamt sind laut Küng-Bless unter den Initiantinnen etwa 15 Frauen, die zur sakramentalen Sendung bereit seien.

Küng-Bless ist sich des engen Spielraums der Bischöfe bewusst. «Solange von der Weltkirche kein Signal der Öffnung kommt, sind sie in einer Sandwich-Position.» Dennoch hofft sie, dass es zu einem Dialog mit den Ortsbischöfen kommt. «Vielleicht finden wir im Gespräch schweizweite Lösungen oder es gibt in Teilbereichen eine Testphase.»

Vernetzung mit anderen Gruppierungen

Ob die Junia-Initiative konkrete Veränderungen bewirken kann, wird die Zukunft zeigen. Personelle Verbindungen zu anderen Gruppierungen bestünden. Als nächste Schritte seien die Teilnahme an einer europaweiten Tagung zur Frauenfrage in der katholischen Kirche, der Aufbau des Unterstützungskreises sowie die Vorbereitung des 17. Mai geplant.

Küng-Bless erwartet indes keine baldige Änderung: «Meine Hoffnung ist langfristig angelegt», sagt sie.