«Jetzt können wir endlich über Inhalte diskutieren»

Die reformierte Stimmbevölkerung der Stadt Zürich hat mit grosser Mehrheit die Kirchgemeindeordnung angenommen. Andreas Hurter vom reformierten Stadtverband ist stolz auf das Resultat. Für die Kirchgemeinde Zürich bleibt aber noch viel zu tun.

Andreas Hurter ist Präsident des Reformierten Stadtverbands. Dieser hat in den letzten vier Jahren die Fusion der Kirchgemeinden Zürichs und Oberengstringens geplant und koordiniert. (Bild: zvg)

Andreas Hurter, über 90 Prozent der Stadtreformierten haben die Kirchgemeindeordnung angenommen. Haben Sie mit so viel Zustimmung gerechnet?
Nein. Nach der Abstimmung zur kantonalen Kirchenordnung waren wir zwar zuversichtlich. Damals haben rund 86 Prozent der städtischen Reformierten die Vorlage angenommen. Eigentlich ist das Resultat eine kleine Sensation.

Wie erklären Sie sich das eindeutige Resultat?
Beim Reformprozess haben wir auf Mitwirkung gesetzt. Es gab Diskussionsrunden mit Vertretern diverser Berufsgruppen und Workshops mit einigen der zukünftigen Kirchenkreise. Damit war mehr Bereitschaft da, sich auf das Projekt Kirchgemeinde Zürich einzulassen.

Mit der Kirchgemeindeordnung ist der Reformprozess abgeschlossen, doch die eigentliche Arbeit der Kirchgemeinde Zürich beginnt erst. Was sind die nächsten Schritte?

Wir freuen uns, in den neuen Strukturen zusammenzuarbeiten. Organisatorisch müssen aber noch viele Abläufe entwickelt und verbessert werden. Zum Beispiel werden in den neu gebildeten Kirchenkreisen Sekretariate räumlich und personell zusammengelegt. Ausserdem können wir im Verlauf des nächsten Jahres endlich vermehrt über Inhalte diskutieren. Zum Beispiel darüber, wie künftig die städtische Diakonie und die Kirchenmusik organisiert werden.

Wird es bei der Zusammenlegung der Sekretariate zu Entlassungen kommen?
Entlassungen braucht es nicht, aber wir wollen effizienter werden. Den Personalaufwand werden wir in solchen Fällen mit Pensionierungen und den üblichen Personalwechsel reduzieren.

Die Idee einer Grosskirchgemeinde Zürich hat gerade bei den kleineren Gemeinden im Kanton viel Skepsis ausgelöst. Wie werden Sie künftig mit diesen zusammenarbeiten?
Weiterhin partnerschaftlich und unkompliziert. Wir werden zwar mit 80’000 Mitgliedern die grösste Kirchgemeinde der Schweiz, aber die inhaltliche Zusammenarbeit wird weiterhin lokal geschehen. Wenn ein Zürcher Kirchenkreis mit Kirchgemeinden von ausserhalb, oder auch mit Hirzenbach und Witikon innerhalb der Stadt, Veranstaltungen organisieren will, begrüssen wir das.

Welche Rolle wird die Kirchgemeinde Zürich künftig im Kanton spielen?
Als grösste Kirchgemeinde tragen wir eine grosse Verantwortung. Auch weil wir mit unseren Altstadtkirchen eine repräsentative Funktion für die ganze Landeskirche übernehmen. Wir müssen zu diesen Kirchen Sorge tragen. Diese Orte sollen weiterhin Raum für die Mitglieder bleiben, während sie gleichzeitig von vielen Touristen besucht werden. Die Ausstrahlungskraft geht über die Stadtgrenzen hinaus. Dem müssen wir gerecht werden.