«Jeder sorgt für sich selber – das ist die moderne heidnische Parole»

Der CDU-Politiker Heiner Geissler hat die Kirchen aufgerufen, den Auswüchsen der neoliberalen Finanzwirtschaft energischer entgegenzutreten, wie der Evangelische Pressedienst (epd) am 23. September berichtete.

Heiner Geissler.
Heiner Geissler (Aufnahme von 2007). (Bild: Wikimedia)

Statt deutlicher Worte zu den herrschenden Missständen lese er immer häufiger kirchliche Texte, die wie von Betriebswirtschaftlern verfasst klängen, sagte Heiner Geissler am Dienstag beim deutschen Pfarrertag in Worms. Statt von den Idealen der biblischen Nächstenliebe werde die Gesellschaft heute von Geld, Gier und Geiz dominiert, sagte der katholische Politiker gemäss epd, der vom deutschen Pfarrerverband als Hauptredner eingeladen worden war: «Jeder sorgt für sich selber – das ist die moderne heidnische Parole, das Gegenteil von dem, was das Evangelium sagt.» Auch die Kirche sei mittlerweile mit diesem «Virus infiziert».

Die soziale Marktwirtschaft, die in den Nachkriegsjahrzehnten in Deutschland so gut funktioniert habe, existiere mittlerweile auch in der Bundesrepublik nicht mehr, kritisierte Geissler. Sie müsse wiederhergestellt werden. «Es gibt auf der Welt Geld wie Dreck, es haben nur die falschen Leute», sagte er vor mehreren Hundert Teilnehmern des evangelischen Pfarrertreffens. Die Kirche müsse deutlich «Nein sagen zu dieser Form des inhumanen, Menschen zerstörenden Kapitalismus».

Geissler arbeite an einem Buch über Martin Luther. Ihn interessiere die Frage, wie Luther wohl über eine Reihe von Problemen der modernen Gesellschaft denken würde. In Worms sprechen über 300 evangelische Pfarrer aus ganz Deutschland über die Zukunft ihres Berufes.